Engagement und Leidenschaft blieben unbelohnt

19. Februar 2012 | eingestellt von mg

Der 1.FCK unterliegt Borussia Mönchengladbach zuhause mit 1:2
Kein Durchkommen - Jakub Swierczock

Jabub Swierczock mit einem engagierten Spiel, leider ohne Erfolg (©Thof2012)

Wieder einer dieser Klassiker, der Erinnerungen an frühere Zeiten schürt und mit dem Klang der Paarung einmal mehr mit dazu beiträgt, die schmachvollen vier Jahre 2. Liga weiter in den Hintergrund zu drängen. Borussia Mönchengladbach hieß der Gegner am gestrigen Samstag im heimischen Fritz-Walter-Stadion. Der Verein, der sich von einem Fast-Absteiger in der vergangenen Saison zu einem ernsthaften Titelaspiranten hochgearbeitet hat.

45.661 Besucher füllten die Tribünen am Betzenberg. Immerhin gut und gern 8.000 Anhänger des Traditionsvereins vom Niederrhein waren darunter. Respekt! Die Vorzeichen schienen vom Papier her geteilt und ungleich. Hier die unverkrampfte junge Mannschaft von Lucien Favre, die seit Saisonbeginn einen beneidenswerten Lauf aufs grüne Parkett legt, die beste Abwehr der Liga mitbringt und folgerichtig um den Titel mitspielt. Auf der anderen Seite die Mannschaft, die seit 11 Spielen sieglos ist und bisher die wenigsten Tore in der Liga erzielt hat und so folgerichtig im Abstiegskampf steckt.

Harter Luftkampf - Sandro Wagner

Sandro Wagner stets anspielbar, laufbereit, zweikampfstark (©Thof2012)

Marco Kurz hatte sein Team gleich auf fünf Positionen gegenüber der laschen Partie bei den Bayern verändert. Für Mathias Abel und Anthar Yahia kamen Rodnei und Jan Simunek in der Innenverteidigung. Konstantinos Fortounis, Thanos Petsos und Richard Sukuta-Pasu mussten weichen. Im Mittelfeld durften dafür Pierre de Wit, Ariel Borysiuk ran, während Jakub Swieczock neben Sandro Wagner die Sturmspitze bildete.

In der Vorwoche schien es so, als würde Marco Reus auf Seiten der Gladbacher nicht auflaufen. Fehleinschätzung. Das junge quirlige Talent, das in der kommenden Saison die Ruhrpott-Borussia bereichern wird, wurde wieder fit gemacht. Dafür fehlte bei den Borussen Mike Hanke grippekrank und wurde von de Camargo ersetzt.

Der FCK begann konzentriert und mit dem Publikum im Rücken. In den ersten Minuten wurde jeder Ballbesitz der in weiß gekleideten Borussen von lautstarken Pfiffen begleitet. Der in den Tagen vor der Partie vielbeschworene 12. Mann schien sich anschicken zu wollen früh Akzente zu setzen und mit akustischer Unterstützung die Sicherheit im Spiel der Borussen zu stören oder gar nicht erst zur Entfaltung kommen zu lassen.

Lautstarke Unterstützung - Marco Kurz

Marco Kurz wie immer engagiert an der Außenlinie (©Thof2012)

Den ersten Bemühungen des 1.FCK mit sichereren Spielzügen und schnellen Kurzpässen die Feldüberlegenheit an sich zu nehmen, setzten die Gladbacher jedoch – von allem unbeeindruckt – ihr rotzfreches schnelles Kombinationsspiel dagegen. Die erste Möglichkeit im Spiel gehörte den Gladbachern. Sie resultierte jedoch nicht aus der oft zelebrierten schnellen Kombinationssicherheit. Nach einem Einwurf stand de Camargo frei an der Strafraumgrenze, drosch das Leder jedoch knapp über die Latte.

In der 8. Minute dann die erste zaghafte Möglichkeit für den FCK, doch Jakub Swierczock setzte seinen Schussversuch aus rund 20 Metern weit neben den Kasten. Praktisch mit der nächsten Aktion zeigten die Gladbacher einmal mehr, was sie derzeit auszeichnet. Aus der Balleroberung die schnelle Spieleröffnung, um dann mit einem oder zwei perfekten aber tödlichen Pässen in die Spitze die Alarmstufe im gegnerischen Strafraum auf Rot zu stellen und mit Mut und Präzision den Abschluss zu suchen. So in der 9. Minute, de Camargo schickt Patrick Hermann steil, Leon Jessen mit zu wenig Biss neben oder mehr hinter ihm her, ein trockener und satter Schuss aus dem Lauf und es stand 0:1!

Bedrängnis im Luftkampf - Richard Sukuta-Pasu

Richard Sukuta-Pasu zieht gegen ter Stegen den Kürzeren (©Thof2012)

Im Gegenzug dann jedoch fast der Ausgleich aus einer Standardsituation. Doch wieder einmal versagte das Pech den Jungs von Marco Kurz den verdienten Lohn für ihre Mühen. Aus einer Freistoßsituation aus 20 Metern visierte Pierre de Witt das Gladbacher Tor an. Sein knallharter Schuss klatschte über dem verdutzten und auf der Linie erstarrten ter Stegen an die Latte (11.)! Verdammt – kann so ein Pfund nicht auch einfach mal reingehen!

Die Gladbacher indessen zelebrierten weiter ihren feinen Kombinationsfußball. In der 14. Minute dann ein weiterer Nadelstich. Marco Reus mit gutem Auge aus dem Mittelfeld heraus. Ein gescheiter Pass in den Rücken der Lauterer Abwehr. Arango nahm das Leder auf halb links auf und schlenzte die Kugel mit dem Außenrist an den sich lang und länger machenden Kevin Trapp vorbei ins lange Eck. Der FCK nun natürlich geschockt und verunsichert, aber nicht willenlos. Nach 19 Minuten dann erneut eine FCK-Chance, doch erneut kam Jakub Swierczock mit seiner Kopfballchance nicht richtig hinter das Leder, um ernsthaft Gefahr für den Gladbacher Kasten zu erzeugen.

Gladbach mit gefährlichen Standards

Marco Reus mit einem Freistoss gegen sichere Lauterer Mauer (©Thof2012)

In der 35. Minute dann eine Schwächung für die Borussia. Der Torschütze Patrick Hermann knallte im Mittelfeld bei einem Kopfballduell mit Florian Dick zusammen und blieb schmerzverzerrt am Boden. Der Torschütze wurde minutenlang behandelt und wurde dann mit der Trage vom Platz geholt. Diagnose, Schlüsselbeinbruch. Auch von dieser Stelle, gute Besserung.

Die Gladbacher zogen sich nun zurück, taten nicht viel für die Offensive. Kräfte sparen war offensichtlich angesagt. Der FCK tat sich demzufolge schwer, die tief stehende Truppe von Favre in Verlegenheit oder gar in Gefahr zu bringen. Lediglich eine verunglückte Hereingabe von Sandro Wagner sorgte noch einmal für Aufregung (41.). Der lange Offensivmann brachte einen Ball von der Torauslinie scharf vor das Gladbacher Tor. Seine Mimik und Gestik verrieten, was vermutlich mal eine Flanke werden sollte knallte am kurzen Ecke neben ter Stegen an den Außenpfosten und von dort ins Toraus. Es blieb bei der vermeintlich komfortablen Führung der Gladbacher, Schiedsrichter Weiner bat zur Pause.

Frischer Wind - Julian Derstroff

Julian Derstroff eine bissige und quirlige Alternative (©Thof2012)

Marco Kurz reagierte direkt nach der Halbzeitpause und brachte mit Richard Sukuta-Pasu und Julian Derstroff zwei weitere Offensivkräfte. Olcay Sahan und Pierre de Wit blieben in der Kabine. Die erste Gelegenheit in Halbzeit zwei dennoch für die “Fohlen”, aber de Camargo setzte seinen Kopfball aus kurzer Distanz neben Trapps Kasten. Durchatmen (53.)! Doch Gladbach tat nun nicht mehr viel für die eigene Offensive und schien das Ergebnis verwalten zu wollen.

In der 61. Minute ersetzte Marco Kurz dann den engagierten aber glücklosen Jakub Swierczock durch Dorge Kouemaha. Eine frische Offensivkraft sollte für die Wende sorgen. Nur eine Minute später dann endlich mal der Lohn für beherzten Mut. Die Gladbacher blockten in der Mitte einen Lauterer Angriff, Sandro Wagner legte auf den außen positionierten Jessen und der dänische Blondschopf nahm sich ein Herz und drosch das Leder Richtung Gladbacher Tor. Der wie an der Schnur gezogene Ball beulte in der rechten oberen Ecke das Gladbacher Netz aus. Treffer! Das Stadion schien zu explodieren. Da war er wieder – der Moment, den die Anhänger des FCK so sehr herbeisehnten.

Torschütze zum Anschlusstreffer - Leon Jessen

Leon Jessen mit sehenswertem Treffer, aber es reichte nicht (©Thof2012)

Mit dem Anschlusstreffer schienen sich die Vorzeichen zu ändern. Der FCK agierte mit Wucht, mit Biss, mit Leidenschaft. Die Borussen-Abwehr begann zu wackeln und zu schwanken, aber sie fiel nicht. Aber der FCK war nun am Drücker, hatte sich selbst ins Spiel zurück gearbeitet. So hatten Ariel Borysiuk (66.) und Dorge Kouemaha gleich zweimal (68., 69.) gute Einschussmöglichkeiten, doch im Gladbacher Kasten steht mit Marc-André ter Stegen halt auch einer der besten deutschen Torhüter!

Die Kulisse honorierte die Bemühungen der jungen FCK-Truppe, den Ausgleich nun doch noch zu erzwingen. Die Mannschaft rang sichtlich nach Lösungen die tief stehende Gladbacher Deckung in Verlegenheit zu bringen oder gar zu knacken.  Aber es reichte nicht mehr. Gegen Ende der Partie besannen sich die Gladbacher noch einmal auf ihre eigenen Tugenden  und erarbeiteten sich sogar selbst noch einmal Möglichkeiten. Der FCK kämpfte bis zum Ende, aber es sollte nicht reichen, Borussia Mönchengladbach nahm die Punkte mit.

Bittere Ernüchterung - Sandro Wagner

Sandro Wagner geschafft und ernüchtert, es hat nicht gereicht (©Thof2012)

Der FCK bleibt damit nach dem 22. Spieltag aufgrund des besseren Torverhältnisses auf dem Relegationsplatz, punktgleich mit dem FC Augsburg und dem Tabellenletzten SC Freiburg. Im Vergleich zu den Partien in München und zuhause gegen Köln sahen die Besucher heute eine allerdings deutlich engagiertere und leidenschaftlichere Lauterer Elf. Das macht Mut für die kommenden Aufgaben.

Es war in der gestrigen Partie in Halbzeit eins leider nicht gelungen das intelligente und schnelle Spiel der Gladbacher schon in der Entstehung zu “töten”. Mitunter daraus resultierten die beiden schnellen Treffer. Es ist bei zwei so unterschiedlichen Kontrahenten dann nicht einfach wenn der vermeintliche “Underdog” schon nach 14 Minuten den eigenen Vorsätzen und einem 2-Tore-Rückstand hinterher rennen muss.

Aber es ist für den FCK noch immer möglich, den Klassenerhalt aus eigener Kraft zu schaffen und solange diese rechnerische Möglichkeit besteht, gilt es alle Kräfte zu bündeln. Dazu sollten auch wir als Fans weiter unseren Teil beitragen. Anstatt in vielen Internet-Foren mit wortreicher Nörgelei und teils wüsten Beschimpfungen Unzufriedenheit und Unruhe zu verbreiten, sollten wir die Arschbacken zusammenkneifen und das Team weiter unterstützen. Wir verlangen von den Jungs, dass sie auf dem Feld über ihre Grenzen gehen. Die Forderung sollten wir auch an uns selbst richten! Ob es am Ende reicht, kann keiner garantieren. Aber wer jetzt erst die Erkenntnis gewinnt, dass die letzten Wochen verflucht hart werden, der hat bisher halt geträumt und wollte oder konnte die Realität nicht sehen. Die Verantwortlichen haben seit Beginn nichts anderes betont. Die Saison wird Abstiegskampf pur!

Unsichtbare Bande - Fans und Mannschaft

Die Fans stehen hinter der Mannschaft, notwendig im Abstiegskampf (©Thof2012)

Mag sein, dass es den vielbeschworenen Fußballgott gibt. Der hat es schon einmal zugelassen, dass wir bis hinter die Demarkationslinie der Bedeutungslosigkeit gerutscht waren. In Liga zwei, mit einem Fuß bereits in Liga drei! Mag sein, dass dieser Fußballgott uns hat wieder erstehen lassen, oder hatte bei unserer Entwicklung zurück in Liga 1 zumindest seine Finger mit im Spiel hatte. Ich halte es da lieber mit der Haltung “jetzt erst recht”! Besinne wir uns auf unsere Kämpfernatur und unsere Tugenden. Mannschaft wie Fans – Fresse abputzen und in Mainz die Wende schaffen!

(mg)

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