Adventskranz mit 5 Lichtern für Schalke 04
28. November 2010 | eingestellt von mg
Der 1.FCK demontiert die königsblaue Millionentruppe mit 5:0
In einem furiosen Spiel gewinnt der 1.FCK zuhause 5:0 gegen den FC Schalke 04! Das die nüchterne Mitteilung zu einem denkwürdigen Nachmittag. Wo soll man nach so einer Partie eigentlich anfangen mit dem was es zu berichten gäbe? Beim Spielverlauf? Der Aufstellung? Der Kulisse? Der Witterung? Der Pressekonferenz? Fangen wir eine Woche davor an, bei der Auswärtspartie im Frankenland, in Halbzeit zwei. Die Roten Teufel hatten in Nürnberg zur Pause eine komfortable 3:0 Führung herausgeschossen, hätten kurz nach Wiederanpfiff sogar mit einem vierten und fünften Treffer nachlegen können, bestimmten auch in der Anfangsphase des zweiten Durchgangs die Partie.
Dann nach etlichen vergebenen Pfälzer Möglichkeiten in Minute 67 fast aus dem Nichts der Anschlusstreffer für die Franken, zwei weitere Möglichkeiten in den Folgeminuten. Es wurde hektischer, heißer. Das übrige tat dann auch der Platzverweis gegen Thanos Petsos und vier Minuten später Elfmeter für Nürnberg. Die Ausführung desselben landete an der Latte, der FCK war ins Wackeln gekommen, aber nicht gefallen. Der zweite Auswärtssieg der Saison war in trockenen Tüchern!
Nachlegen können, sich gegen den Gegner und sein Spiel stemmen, um die Früchte kämpfen, die Lohn der eigenen Arbeit sind, keine Angst und keine Furcht vor Gegnern oder gar seinem Namen haben, ohne jedoch den nötigen Respekt zu verlieren! Tugenden, die diese junge Mannschaft nun immer besser verinnerlicht. Das galt es mit in die Partie gegen das Enfant Terrible der Liga mit zu nehmen, gegen den FC Schalke 04! Klangvolle Namen in den Reihen der Königsblauen, die Empfehlung für eine frühzeitige Qualifikation für das Champions League Achtelfinale in der Tasche! Doch entgegen etlicher Begegnungen zwischen beiden Traditionsclubs in der Vergangenheit, auch quasi umgekehrte Vorzeichen. Der Revier-Club steht in der Tabelle mit nur einem Punkt Abstand noch hinter dem 1.FCK und damit mit einem Fuß auf einem Abstiegsplatz! Wer hätte das gedacht? Am allerwenigsten die Knappen selbst.
Es war also angerichtet! Eine Traumkulisse, denn mit 49.474 Zuschauern war das Fritz-Walter-Stadion auch bei dieser Heimpartie fast ausverkauft! Immerhin rund 6.000 Schalker malten blaue Flecken und Tupfer auf die von rot-weiß dominierten Tribünenflächen. Gerade die Zuschauer in dieser Saison ein Phänomen. Vier Jahre zweite Liga haben Appetit gemacht. Die Art wie die Mannschaft spielt und auftritt wird honoriert und die Fans strömen in Scharen von weit her zum höchsten deutschen Fußballberg – auch bei einem so wackligen Winterwetter wie gestern!
Aber auch auswärts immer etliche tausend treue Anhänger, die keine Mühe scheuen, den Jungs hinterher zu fahren. Dazu der Einfallsreichtum der in dieser Saison bereits präsentierten Aktionen und Choreographien, die über alle Tribünen hörbare Unterstützung! Damit also war zumindest ein Grundstein gelegt bei einem so klangvollen Gegner wie Schalke 04 ein Fußballfest zu zelebrieren.
Marco Kurz hatte im Vergleich zur Partie in Nürnberg lediglich eine Umstellung vornehmen müssen. Für den für zwei Spiele gesperrten Thanos Petsos rückte der wieder genesene Florian Dick fast logisch auf die rechte Defensivseite, Oliver Kirch dafür ins Mittelfeld.
Die junge Lauterer Elf agierte bis Minute fünf noch etwas unkonzentriert und nervös. Die Schalker Truppe begann zumindest aggressiv, wenn auch nicht souverän oder aussichtsreich im Spiel nach vorne. Der 1.FCK machte dennoch von der Spielanlage her von der ersten Minute an keinen Hehl daraus, dass man heute gewillt war den ganz in weiß spielenden Königsblauen den Schneid abkaufen zu wollen. So erzwang schon in der 8. Minute Ivo Illicevic den ersten Eckstoß für die Roten Teufel. Christian Tiffert brachte den Ball scharf vor das Schalker Tor, Srdjan Lakic setzte sich im Luftkampf gegen zwei Schalker Defensivspieler durch und stieß den Ball mit einem wuchtigen Kopfstoß zum 1:0 in die Maschen! Welch ein Auftakt!
Die Schalker fanden in der Folge kaum in ihr Spiel. Die Spitzen Raul und Huntelaar blieben lange stumpf. Auch durch die konzentrierte und konsequente Deckungs- und Defensivarbeit des FCK. Übersicht, Laufbereitschaft, Wille, Kampfgeist – das Fundament für die erfolgreiche Arbeit nach vorne wurde heute in den Defensivreihen gelegt! Und es wurde nach vorne gespielt! Fast im Minutentakt tauchten die Mittelfeld- und Offensivkräfte des FCK in Tornähe von Manuel Neuer auf. In der 16. Minute hatte die Kulisse schon den Torschrei auf den Lippen, als Illicevic ganz allein vor dem Schalker Keeper auftauchte. Beim Versuch Manuel Neuer zu umspielen zog er jedoch den Kürzeren. Auch der herangeeilte Jan Moravek vermochte den Ball dann im fast leeren Tor nicht mehr unterzubringen, Neuer klärte in höchster Not zur Ecke. Auch diese hätte dann fast den zweiten Treffer gebracht, doch Matthias Abel war nach dem Zuspiel von Moravek offensichtlich zu überhastet, seine glänzende Position zu einem weiteren Nadelstich gegen Königsblau zu setzen. Dennoch – die Zuschauer aus dem Häuschen. Der FCK spielte einen feinen und facettenreichen Fußball. Die Kulisse spürte, hier ist heute mehr drin, viel mehr!
Die Schalker hatten bis dahin keine einzige wirklich gefährliche Möglichkeit erarbeitet. Erst in der 34. Minute zeigte Klaas-Jan Huntelaar einmal seine Klasse, doch sein vehementer Schuss landete am Außennetz. In der 39. Minute war es dann soweit, dass die Unermüdlichkeit des 1.FCK belohnt wurde. Erneute Ecke, scharfe Hereingabe erneut durch Christian Tiffert und dieses Mal war unser Kapitän Martin Amedick zur Stelle – natürlich mit dem Kopf! 2:0! Yeeeaaah – geil!!! Martin – ich habe Wort gehalten und wie Dir gestern nach der Partie versprochen noch ne Flasche Sekt auf Deinen Treffer geköpft!

Hier geblieben! Das "Spielgerät" fest im Blick, setzt sich der flinke Flitzer Ivo Illicevic auch gegen Metzelder durch!
Die Schalker wurden nun aggressiver, mussten etwas tun. Und wie schnell auch eine so komfortable Führung noch vor der Pause zu einer anderen Fühlwelt werden könnte, wenn ein bislang eher harmloser Gegner dann doch einnetzt, zeigte sich ein paar Minuten später. Ein brandgefährlicher Angriff der bisher harmlosen Schalker Knappen. Binnen Sekunden rettete Tobias Sippel mit all seinem Können zunächst einen satten Schuss von Huntelaar und auch den Nachschuss von Raul kratzte der junge Keeper gekonnt von der Linie. Durchatmen! Aber genau das sind die Momente in denen sich ein Kollektiv auch das Selbstvertrauen holt, wo Emotionen hohe Energieberge aufbauen! Kurz vor der Pause dann wieder das gewohnte Bild und fast das 3:0, aber der heute überragende und fleissige Jan Moravek scheitert mit einem Flachschuss an Manuel Neuer.
Halbzeit! Im ganzen Stadion nur zufriedene Gesichter, sieht man einmal vom Lager der Blauen ab, pardon, der Königsblauen! Als diese aus der Kabine kamen, rieben sich die Zuschauer verwundert die Augen. Die erwartete Gegenoffensive und der sichtbare unbedingte Wille diese Partie doch noch für sich zu entscheiden blieb im Lager der Gäste aus. Stattdessen dominierte vom Anpfiff weg die Lauterer Elf das Geschehen, agierte weiterhin souverän aus den stabilen und konzentrierten Abwehrreihen und schickte einen Offensivritt nach dem anderen über links, rechts, mittig, diagonal in Richtung des Schalke Gehäuses. In der 50. Minute fast das 3.0 erneut durch Moravek. Verdammt, der Junge konnte einem leid tun! Dann in der 56. Minute ein blitzsauberes Zuspiel vom bärenstarken Christian Tiffert in die Spitze auf Srdjan Lakic, der fackelte nicht lange und schob den Ball an Neuer vorbei zum 3:0 in die Maschen.
Es dauerte bis zur 73. Minute, eher wieder etwas von Schalke zu sehen war. Doch Jefferson Farfan vergab aus spitzem Winkel die Chance zum Anschlusstreffer. Es mag spekulativ sein, aber ob ein verkürztes Ergebnis der Elf aus dem Ruhrpott den nötigen Schub verpasst hätte hier noch einmal eine Wende einzuläuten, ist doch eher fraglich. Zu behäbig, zu wenig engagiert, zu wenig als Kollektiv präsentierte die Truppe von Felix Magath sich heute in der ganzen Körpersprache dem Lauterer Publikum und dem eigenen Anhang. Hier fehlte Herzblut! Logisch – das ist ja auch rot und nicht blau!
So blieb es den Lauterer Akteuren vorbehalten, den Schalker Statisten in der Schlussviertelstunde aus dem Drei- gar ein Fünf-Gänge-Menü zu kreieren. In der 75. Minute wusste sich Metzelder nicht mehr anders zu helfen und fällte den heute brandgefährlichen Lakic im Sechzehner. Schiri Perl entschied auf Straßstoß. Ivo Illicevic nahm sich das Leder und hämmerte den Ball rotzfrech links neben dem Pfosten zum 4:0 rein!!! Sehenswert die von Ivo gepflegte Weise einen eigenen Treffer zu zelebrieren. Napoleon Bonaparte hätte an der Haltung seine helle Freude gehabt. Aber bitte auf dem Teppich bleiben, Ivo!
Die Schlussminuten dann ein Freudenfest und in der 88. Minute war es (endlich!) Jan Moravek, der das Ergebnis sogar noch auf 5:0 hochschraubte. Nach einem schnellen Angriff über rechts eine maßgenaue Hereingabe, Moravek lief goldrichtig mit und köpfte zum Endergebnis ein.
Längst war die Kulisse dabei mit einem Meer aus Taschentüchern den Gästen klar zu machen, dass sie diesen Nachmittag hier nichts zu melden zu hatten, außer zu zahlen natürlich. Für die Truppe um Manuel Neuer dann auch die – von wem auch immer verordnete – Höchststrafe! Auslaufen direkt nach dem Abpfiff, im noch immer proppenvollen Fritz-Walter-Stadion, vor den Augen der eigenen und der hämischen Fans der Roten Teufel! Da ist jetzt richtig Zunder unterm Dach, da hat jetzt jede Gasleitung ein Leck, da besteht höchste Explosionsgefahr! Kein Wunder bei der Erwartungshaltung und dem Etat, wenn dann so ein Zwischenergebnis auf dem Papier steht. Dann ausgerechnet in der Adventszeit beim Gastspiel in Kaiserslautern einen Adventskranz mit ins Reisegepäck zu bekommen – und zwar einen mit gleich fünf Kerzen! Delikate Note bei so offenem Feuer in so explosiver Umgebung! Ein Felix Magath wurde jedenfalls selten so wortkarg, kleinlaut aber auch deutlich in seinen wenigen Aussage in der Pressekonferenz erlebt.
Uns soll’s egal sein. Wieder drei Punkte gegen den Abstieg! Aber ein Aspekt bleibt seit gestern haften. Das Team, das gestern im roten Dress auflief, spielt mittlerweile einen herrlichen, erfrischenden Fußball. Das macht Mut für die bevorstehenden Aufgaben und die nächste harte Nuss wartet bereits nächste Woche in Hamburg – und mit St. Pauli steht uns kein verwöhntes Starensemble gegenüber, sondern eine Kämpfer-Gang, die Gras frisst und mit Leidenschaft zu Werke geht – mit Herzblut eben, doch das ist bekanntlich rot – nicht braun und schon gar nicht blau!
(mg)
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Es macht einen Stolz zu sehen wie die Jungs Fußballspielen!! Weiter so:-)