Punkteteilung am Oberwerth

3. Mai 2010 | eingestellt von mms

Kaiserslautern verabschiedet sich von Koblenz mit 2:2

(2. Mai 2010)

Schminken mal anders

Schminken mal anders

Fritz-Walter Wetter begrüßte die Fans – und damit auch uns Queer Devils – zunächst am Oberwerth, der Heimat der TuS-Koblenz, beim Aufwärmen zum letzten Auswärtsspiel der Roten Teufel und zum letzten Heimspiel der Schlängel in der zweiten Liga. Für uns, ein Abschied mit Blick nach oben … und ein Abschied, der uns nach allen Erfahrungen dort sicherlich alles andere als schwer fiel. Für die Gegenseite ein bitterer Gang nach vier Jahren in der zweiten Bundesliga: Koblenz war schon vor dem Spiel faktisch abgestiegen.

Erstligafans

Erstligafans

Nach den Feierlichkeiten der Woche kam für die Kurve natürlich etwas die Angst hoch, ob die Jungs denn wirklich top fit sein würden…und darüber hinaus, ob die fehlenden Sidney Sam und Alexander Bugera adäquat ersetzt  werden konnten. Was die Fans angeht: Bei 8.000 Lautrern im 15.000 Mann fassenden Oberwerth war’s kurvenseitig farblich, stimmlich und stimmungstechnisch ein Heimspiel! Muss man grad noch – was die Anzahl der Fans angeht – mit 5 multiplizieren und dann wird’s einfach Champions-League-reif!

You'll never walk alone

You'll never walk alone

Trotz eigentlich ziemlich friedlicher Stimmung war’s dann aber doch wie in letzter Zeit so häufig ein absolut unverständlicher Anblick, dass gefühlt doppelt so viel Polizisten wie Fans das Sportfeld bewachten. Polizei-Spalier und Mundschutz, Maske und Helm … so wird das nichts mit dem Deeskalieren … na, gottseidank war’s auch nicht nötig, die Lautrer wollten hauptsächlich feiern, die TuSsen schienen irgendwie sediert – verständlicherweise. Die Ordner vor den Lautrer Blöcken blickten auffallend entspannt, man glaubte wohl an Lautstärke, aber weniger an Randale. Recht sollte man behalten. Auf der anderen Seite des Feldes jedenfalls ging’s mit Ordnungskräften (zumindest die nicht-staatlichen auf dem Spielfeld) eher zum Gesetz der großen Zahl. Nun, wir dürfen gespannt sein, was sich aus der Koblenzer Ultraszene noch so alles entwickelt.

Lautrer geben niemals auf

Lautrer geben niemals auf

Seitens der Lautrer Szene gibt’s eigentlich hauptsächlich eine Anekdote zu berichten: die mit dem Sanitätshäuschen. Auf selbiges hockten sich nämlich einige Fans, die somit eine bessere Sicht erreichen wollten und wurden nach Aufforderung durch den Stadionsprecher, doch das Häuschen zu verlassen, durch höhere Einsicht oder durch die herannahenden Polizisten, aus Sicherheitsgründen einsichtig und gesellten sich wieder zu ihren Kumpels weiter unten … bis auf einen. Dieser eine ältere Herr lies sich Zeit, wurde von zwei Polizisten und einem Ordner mit Engelszungen überredet, doch seine mühsam erklommene Bleibe zu verlassen, trotzte aber eine ganze Weile allen Anflügen von Obrigkeitshörigkeit: Lautrer geben niemals auf! Herzlichen Glückwunsch zu dieser wirklich witzigen Aktion! Die Kurve jedenfalls war begeistert.

Auf dem Spielfeld standen ungewöhnliche Aussichten bevor. Luis Robles hütete statt Tobi Sippel das Tor: eine schöne Geste von Marco Kurz, allerdings auch bestimmt ein Test für eventuelle kommende Vertragsverhandlungen. Daniel Pavlovic ersetzte den gelbgesperrten Alexander Bugera, Bastian Schulz wieder in der Startformation und Srdjan Lakic und Dragan Paljic stürmten von Anfang an. Dafür saß Adam Nemec zunächst auf der Bank und natürlich fehlte der gelbgesperrte Sidney Sam. Gänzlich fehlte übrigens Jiri Bilek. So war für eine interessante Zeit gesorgt.

Von Koblenzer Seite gab es wenig zu berichten, außer dass mit Anel Dzaka ein alter Bekannter im Aufgebot stand … wenn auch glanzlos, wie schon zu Pfälzer Zeiten.

Zum eigentlichen Event:

Das Spiel beginnt eher verhalten auf durchnässtem Rasen. Lautern spielt eher nach hinten, von Koblenz ist eigentlich nicht viel zu sehen. Einzig nervenaufreibend die durch einen Patzer seitens Luis Robles möglich gewordene Großchance für Edmond Kapplani, der das Tor allerdings dann doch verfehlt. So kommt die Führung durch einen Elfmeter zustande, der von Everson verursacht wird. Der hatte zuvor Markus Steinhöfer im vollen Lauf von den Beinen geholt. Srdjan Lakic netzt trotz guter Vorahnung des Koblenzer Keepers Dieter Paucken rechts unten ein.

... und auf Wiedersehen

... und auf Wiedersehen

Soweit machen die Roten Teufel ihre Sache konzentriert, wenn auch sicherlich nicht mit voller Potentialausnutzung. Dennoch ist die Führung gerechtfertigt und so sieht man schon nach etwa 20 Minuten die berühmten weißen Taschentücher, mit denen die Kurve sich standesgemäß von der TuS, aber auch (hoffentlich für alle Ewigkeit) von der zweiten Liga verabschiedet.

Doch das Spiel, in dem die Koblenzer in der ersten halben Stunde fast gar nicht auf dem Platz zu sehen waren, nimmt plötzlich eine unerwartete Wendung. Ist es noch in der 30. Minute Ivo Ilicevic, der – von Florian Dick angespielt – fast das 0:2 auf dem Fuß hatte, so verwandelt Everson drei Minuten später eine Ecke der Koblenzer zum gänzlich überraschenden Ausgleich. Das Spiel ist wieder offen.

Koblenz findet in Folge des Tores zurück ins Spiel und wirkt präsenter, wenngleich auch nicht unbedingt angriffslustig. Dieter Paucken steht fest im Tor, was er in der 38. Spielminute – Lautern hat gleich drei Eckbälle in Folge – unter Beweis stellen muss. Im Prinzip also in dieser Phase ein ausgeglichenes Spiel, das aber wahre Höhepunkte vermissen lässt. Man scheint sich schon mit einem Remis zur Pause zu arrangieren, als Rodnei Anel Dzaka unglücklich im Strafraum mitreißt, obwohl er dabei noch selbst versucht, den Arm zurückzuziehen. Bei aller Liebe: *das* war kein Elfmeter! Schiedsrichter Peter Gagelmann sieht das aber anders und Matej Marvic bringt Koblenz im direkten Duell mit Luis Robles unverdient in Führung. Was denn auch das Ende der ersten Halbzeit bedeutet.

Spielszene

Spielszene

Die zweite Hälfte beginnt mit viel Hin und Her und größerem oder kleinerem Foulspiel … was das Spiel nicht wirklich attraktiv macht. Besonders Ilicevic und Mandjek wirken in dieser Phase ziemlich blass und verlieren einfach zu viele Bälle. Darüber hinaus kommt die Angst hoch, den Oberhausener Fehler, nämlich viel zu hoch und unkontrolliert zu spielen, erneut auswärts miterleben zu müssen. Dementsprechend wird die Kurve auch deutlich ruhiger, als sie das noch vor der Pause war. Doch gerade in dieser sonst wenig spannenden Spielphase kämpft Dragan Paljic meisterhaft um einen fast schon verlorenen Ball, schickt den … kaum verloren und wieder gewonnen … zu Florian Dick, der beherzt Srdjan Lakic bedient. Und Srdjan hat die kalten Venen, das Leder mit dem Haupt in die Maschen zu befördern.

In der Folge lebt das Spiel auf und Lautern kann den Druck erhöhen. In der 60. Minute bringt Marco Kurz Danny Fuchs für den heute eher blassen – und wenn mal nicht, dann glücklosen – Ivo Ilicevic. Dann hält man sich eine Weile mit Ecken-Schießen auf und in der Folge kommt Erik Jendrisek für Dragan Paljic. Es entwickeln sich in der Mitte des zweiten Durchgangs dann hauptsächlich schöne Versuche, manche besser, manche schlechter, aber meistens von immer dominanteren Lautrern. Doch leider führen immer besser werdende Kombinationen und gutes Seitenwechselspiel nicht zu dem gewünschten Ergebnis. So tauscht Marco Kurz in der 78. Spielminute Bastian Schulz gegen Adam Nemec aus: eine klare Ansage, dass hier heute noch etwas gehen muss und der Stand der Dinge alles andere als befriedigend ist.

Doch auch der Sturmtank kann im Spiel nichts mehr wesentliches bewegen und so bleibt es in der 84. Minute am Schiedsrichter, nach einem deutlichen Foul von Everson an Pavlovic, keinen Elfmeter zu geben und damit das Spiel endgültig zu verflachen. Und so ist es auch wieder der sogenannte Unparteiische, der trotz eigentlich noch fälligem Freistoß für die Lautrer die Partie pünktlich abpfeift und damit der TuS einen Punkt schenkt. Jedenfalls ist so der Eindruck von der Tribüne.

Danke

Danke!

Fazit: Der FCK akzeptabel, aber eben nicht Willens genug, hier heute noch etwas zu reißen.  Vielleicht war es ja auch das Feiern am Wochenbeginn, das da noch etwas mitgespielt hatte. Erstligareif war das nicht, aber bis zur ersten Liga sind ja auch noch ein paar Monate Zeit. Koblenz deutlich besser als erwartet, aber eben auf Niveau eines Absteigers – halt Drittliganiveau mit ein paar guten Momenten. Gerade deshalb schmerzt das Unentschieden natürlich umso mehr. Der Schiedsrichter … unterirdisch! Allerhöchstens regionalligareif.

Aber was soll’s? Aufstieg ist Aufstieg und die Roten Teufel haben es nächste  Woche in der Hand, aus eigener Kraft die Radkapp in die Pfalz zu holen!

Doch Vorsicht! Ein Selbstläufer wird das auch bestimmt nicht. In Koblenz jedenfalls ist dann doch etwas still und leise passiert, was einerseits verständlich, andererseits besorgniserregend sein sollte: Mit der Ausbeute von nur fünf Punkten in fünf Spielen in Folge steht der FCK in einer – zwar bedeutungslosen, aber dennoch beobachtbaren – Krisensituation, die, wären wir nicht schon aufgestiegen, die Mannschaftspsychologie böse beeinflussen könnte. Also: jetzt ist Kopfbefreiung angesagt, konzentriertes Arbeiten und die Kraft der Wut beim nächsten Spiel … dem letzten in der zweiten Liga … und dem zweiten vor 50.000 Zuschauern!

Viel Glück, Jungs!

(mms)

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