Ein Fußballspiel ist schließlich kein Drehbuch

24. April 2010 | eingestellt von mg

Der 1.FCK verliert am 32. Spieltag überraschend zuhause gegen Hansa Rostock

Luftballons in der Westkurve

Luftballons in der Westkurve

Der eigene Geburtstag ist von der Terminlegung jedes Jahr gesichert, eine damit verbundene Party lässt sich problemlos vorbereiten und ihr Ablauf auch minutiös planen. Nicht viel anders verhält es sich beim Blick in den Jahreskalender mit so gewichtigen Feiertagen wie Weihnachten oder Ostern.

Ein Fußballspiel mag von seiner Terminlegung her noch vergleichbar sein – wenn man mal über die seit Jahren gebräuchlichen Gepflogenheiten der DFL hinweg sieht, den Jahresterminplan nur häppchen- und abschnittsweise endgültig festzulegen. Aber eines ist ein Fußballspiel keineswegs. Verlauf, Ausgang und “after-work-session” sind kein Drehbuch und lassen sich vorher eben nicht planen, inszenieren oder gar minutiös durchstylen!

Westkurve

Westkurve

Eine Erkenntnis, die am gestrigen Abend im ausverkauften Fritz-Walter-Stadion und bei tausenden weiterer Fans in der Stadt und der Region für bittere Enttäuschung und Frustration gesorgt hat. Der 1.FC Kaiserslautern verlor am 32. Spieltag sein Heimspiel gegen den abstiegsgefährdeten FC Hansa Rostock mit 0:1 und verpasste damit die große Chance bereits drei Spieltage vor Ende der Saison den vorzeitigen gesicherten Aufstieg in Liga 1 klar zu machen.

Ballons statt Pyro

Ballons statt Pyro

Die Stimmung im Vorfeld der Begegnung war von enorm hoher Erwartung geprägt. Aber auch ein solches Spiel muss erst einmal gewonnen werden! Marco Kurz und Stefan Kuntz wurden nach dem willensstarken Sieg in Bielefeld nicht müde, daran zu erinnern, dass drei Punkte auch zuhause vor ausverkauftem Haus erst einmal erarbeitet werden müssen. Doch es schien, als würde niemamd die beiden einzigen Mahner in diesem Euphorie-Tornado hören wollen.

So dürften zumindest wir Fans  – und das ist schließlich die Messlatte für die nun nach diesem Spielausgang gefühlte Enttäuschung – eben einen entscheidenden Fehler gemacht haben. So ziemlich jeder, der gestern Abend im Stadion war oder die Partie an irgendwelchen Leinwänden und Bildschirmen verfolgt hat, wird sein eigenes persönliches Drehbuch für den Verlauf der Begegnung und insbesondere für das anschließende Party-Event bereits in der Tasche oder im Sinn gehabt haben. Bitter, wenn dann bereits auf dem grünen Geviert ein ganz anderes Drehbuch abgespult wird, das so gar nicht zu dem selbst kreierten imaginären Ablauf passt.

Möglich dass auch der ein oder andere Spieler den Kopf vor solchen selbst inszenierten Bildern nicht frei hatte? Jedenfalls durfte der geneigte Betrachter der dargebotenen Fußballkunst sichtbar wahrnehmen, dass sich allenthalben leichte Verunsicherung in den Reihen der Roten Teufel breit gemacht hatte und zwar von Anbeginn der Partie.

Betze im Sonnenschein

Betze im Sonnenschein

Vor allem die erste Halbzeit war gestern Abend geprägt von Unsicherheiten und von Mutlosigkeit. Auch für die Gäste von der Ostsee stand schließlich viel auf dem Spiel. Trainer Marco Kurz änderte seine Anfangsformation gegenüber dem Spiel in Bielefeld und setzte von Beginn an auf Srdjan Lakic, statt Adam Nemec neben Erik Jendrisek und brachte Ivo Ilicevic für Markus Steinhöfer auf der Außenbahn. In der ersten Viertelstunde überwiegend taktisches Abwarten und von beiden Seiten nur zaghafter Vorwärtsdrang Richtung Tor des Gegners. So hatten auch nur Jendrisek (6.) und Lakic (10.) einigermaßen passable Möglichkeiten auf dem Fuß bzw. auf dem Kopf.

Spielszene

Spielszene

Es war bereits fast eine halbe Stunde gespielt, da ging Srdjan Lakic mal etwas energischer in den Strafraum des Gegners hinein und prompt war es auch passiert. Sein Gegenspieler hielt ihn eher etwas unmotiviert fest, Lakic nahm dankend an, Schiedsrichter Perl aus München zeigte sofort auf den Punkt! Sidney Sam legte sich den Ball zurecht, doch sein wenig platzierter Flachschuss wurde leichte Beute für den an diesem Tag glänzend aufgelegten hanseatischen Keeper Alexander Walke. Ein erster fühlbarer Schock, bei Spielern und auf den Rängen! Nun kam Hansa auch besser in die Partie und erarbeitete sich mehr und mehr Spielanteile. Der FCK tat sich nun sichtbar immer schwerer auch die Last der vergebenen Führung wegzustecken. Lediglich Florian Dick (42.) sorgte noch einmal mit einem satten 20-Meter Schuss für Gefahr vor dem Hansa Tor. Doch für den FCK sollte es dann vor dem Halbzeittee noch bitterer kommen. In der 45. Minute kann Martin Amedick einen Sololauf von Bartels nur mit einem Foulspiel stoppen. Den fälligen Freistoß bring Schröder hoch vor das Tor des FCK. Bülow steigt hoch und köpft lehrbuchmäßig ein. Hansa führte zur Pause 1:0!

Vollbesetzte Südtribüne

Vollbesetzte Südtribüne

Beide Teams kamen unverändert aus der Kabine. Unverändert aber auch das Bild auf dem Platz. Der FCK mühte sich redlich ohne dass zunächst nennenswerte oder gefährliche Toraktionen aus dem Spielverlauf heraus resultierten. Es waren wieder einmal Standards, die für Aufregung sorgten. Nach einer Ecke von Alexander Bugera, kam Srdjan Lakic zum Kopfball. Walke kratzte den Ball gerade noch von der Linie (54.). In der 63. Minute nahm Trainer Marco Kurz einen Doppelwechsel vor. Markus Steinhöfer und Adam Nemec kamen für Ivo Ilicevic und Georges Mandjeck, der gestern in punkto Sicherheit und Spiellaune fast als Totalausfall bezeichnet werden konnte.

Mit den beiden frischen Kräften kam ein wenig mehr Wind in die Partie, doch die junge Lauterer Mannschaft schien in vielen Spielszenen viel zu hektisch. Dennoch ergaben sich nun mehr Möglichkeiten. Aus kurzer Distanz zog Markus Steinhöfer ab, Walke musste sich mächtig ins Zeug legen und lenkte zur Ecke (69.), danach wurde Sidney Sam gerade noch geblockt (77.). In der 78. Minute allerdings auch Glück, als der schnelle Fin Bartels zu einem Solo startete und unsanft an der Mittellinie von Alexander Bugera gestoppt wurde. Perl quittierte mit Gelb und hätte ebenso Rot zeigen können.

Schwerer Weg zur Westkurve

Schwerer Weg zur Westkurve

In der 81. Minute ist es wieder Alexander Walke, der gegen Srdjan Lakic den Ausgleich verhinderte und auch Nemec scheiterte am glänzenden Rostocker Keeper (82.). Dann kam Martin Amedick aus 20 Metern aussichtsreich in Schussposition, zog volley ab, doch der fulminante Schuss ging links am Tor vorbei (85.). Durch einen unbeherrschten Reflex durfte Alexander Bugera wenige Minuten vor dem Abpfiff dann doch noch frühzeitig unter die Dusche. Bereits mit der fünften Gelben Karte belastet, sah er völlig berechtigt nach einem absichtlichen Handspiel die Gelb-Rote Karte.

Drei Minuten Nachspielzeit wurden angezeigt, die noch einmal turbulent werden sollten. Allein Markus Steinhöfer scheiterte noch zweimal an Alexander Walke (90+1., 90+3.)! Aber auch Rostock hätte noch erhöhen können, doch auch auf der Gegenseite verhinderte Tobias Sippel gegen den eingewechselten Jänicke eine noch höhere Führung (92.). So blieb es beim 1:0 für die Hanseaten, die nach 9 Jahren erstmals wieder drei Punkte vom Betzenberg mitnehmen!

Mannschaft unter Polzeischutz?

Mannschaft unter Polzeischutz?

Ob der Husarenstreich für die Hansa Kogge indessen zum Klassenerhalt ausreicht, wird auch vom Ausgang der Partie am kommenden Sonntag zwischen dem FSV Frankfurt und dem FC Augsburg abhängen. Eine Partie der nun auch alle FCK Fans erhöhte Aufmerksamkeit mit umgekehrten Vorzeichen schenken werden. Denn so wie die Kicker aus Mecklenburg-Vorpommern den Fuggerstädtern die Daumen drücken werden, so werden alle FCK-Fans mit dem FSV fiebern. Denn im Falle eines Sieges der Bornheimer hätte der 1.FCK am 32. Spieltag den vorzeitigen Aufstieg doch noch in der Tasche.

Ein Rechenexempel das am gestrigen Abend von vielen tausend Fans in den Katakomben des Stadions, in hunderten Kneipen noch bis spät in die Nacht diskutiert und voraus exerziert wurde. Doch wie war das mit dem Drehbuch? Leute, einfach abwarten und nicht schon wieder oder nochmal das Fell des Bären verteilen, solange der noch nicht erlegt ist! Bei aller Enttäuschung und bei all dem tief sitzenden Frust aber auch bitte eines nicht vergessen. Der 1.FCK hat alles was die junge Mannschaft in dieser Saison noch erreichen kann selbst in der Hand. Also auf ein Neues in Koblenz am kommenden Sonntag und zwar ganz ohne Drehbuch!

(mg)

Queer Devils trotzdem zuversichtlich

Queer Devils trotzdem zuversichtlich

Kommentare

Ein Kommentar zu “Ein Fußballspiel ist schließlich kein Drehbuch”

  1. Muddie sagt:

    Einiges Gutes hat das Ergebnis dann schon. Natürlich einerseits kein Platzsturm und damit keine Strafen von der DFL, aber viel wichtiger:

    DEN GANZEN AUFSTIEGSFANS, die nur wegen der potentiellen Feier auf dem Berg waren, hat das Ergebnis bös ins Essen geschissen! Recht so! Wo waren die die letzten drei Jahre, als der FCK volle Ränge bitter nötig gehabt hätte?

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