Dinner in Ostwestfalen

20. April 2010 | eingestellt von mms

FCK schlägt den DSC Arminia Bielefeld 2:1

Siegertypen

Siegertypen!

Gekracht haben soll es in der Mannschaft während der Vorbereitung auf das Spiel gegen Arminia Bielefeld. Laut Kicker kamen sich Srjan Lakic und Sidney Sam ins Gehege, was allerdings von Marco Kurz lediglich mit dem Satz: “Das zeigt doch nur, dass Feuer drin ist” quittiert wurde. Nun, langweilig war die Vorbereitung für das Beinahe-Spitzenspiel im Teutoburger Wald also nicht.

Überhaupt: die Langeweile … Noch gegen Ende der Hinserie sah es so aus, als seien die Ostwestfalen ein ganz heißer Kandidat für den Aufstieg. So erinnern wir uns an das Hinspiel auf dem Betzenberg als eindeutiges Spitzenspiel des Tabellenführers gegen den Tabellenzweiten … damals war noch alles offen. Doch dann ging für die Arminia eine Höllenzeit los, die noch lange nicht ausgestanden ist. Sportlich setzte eine Talfahrt ein, finanziell taten sich Abgründe auf, die DFL bestrafte die Mannschaft wegen Unstimmigkeiten beim Lizenzierungsverfahren mit vier Punkten Abzug. So fand sich der einstige Augenhöhen-Gegner beim Rückspiel am gestrigen Montag selbst auf Platz sechs der Tabelle, während die Gäste (also wir) seit dem 13. Spieltag ununterbrochen und (zumeist) souverän den Platz an der Sonne halten durften und nun langsam aber sicher auch offiziell von der Rückkehr ins Oberhaus träumen können.

Schüco-Arena

Schüco-Arena

Für die Roten Teufel war die Rechnung klar: Nach den Ergebnissen des Wochenendes würde ein Sieg die Möglichkeit eröffnen, am kommenden Freitag aus eigener Kraft durch einen weiteren Sieg gegen Hansa Rostock (nota bene, derzeit auf Platz drei … von unten gesehen) vorzeitig den Aufstieg und gleichzeitig noch die “Radkapp” einzusacken. Für die Bielefelder wiederum ging’s um nichts weiter als die Ehre … und vielleicht die goldene Ananas …

Die Sparrenburg

Die Sparrenburg

Die Queer Devils, leicht versprengt, da von geplanten sieben leider nur vier die Anreise nach Bielefeld schafften, ließen sich von diesen Rechnereien zunächst einmal wenig beeindrucken. Schließlich bietet Bielefeld – die Stadt, die es nicht gibt – so einiges, was man sich ansehen kann. Hübsch, beschaulich und an diesem Tag gut besonnt, zeigte sich Westfalen von seiner schönsten Seite. Mit lecker Eis und netten Leuten war die Stimmung dementsprechend gelöst. Liebe Bielefelder, nebenbei noch ein großes Lob: das bunte Outfit eines ganz bestimmten Queer Devils auf dem Weg ins Stadion führte bei Euch überhaupt nicht zu blöden Kommentaren, sondern zu anerkennendem Grüßen … und mehr als einmal haben wir bereits vor dem Spiel die besten Glückwünsche für die erste Liga entgegennehmen dürfen. Nun, vielleicht noch etwas verfrüht, aber wir nehmen es gerne an!

Mit den Blauen Bengeln aus Bielefeld noch auf ein oder zwei Bier am Kreisel das Spiel eingeläutet, dabei zugeguckt, wie sich die Damen und Herren in Grün ob so viel Harmonie schier langweilten, gab’s dann für den Fall unseres Aufstiegs eine salomonische Eingung: Wir alle würden uns zwar gerne nächstes Jahr wieder in den jeweiligen Stadien begrüßen dürfen, aber sollte das nicht der Fall sein, dann sehen wir uns eben im nächsten Jahr in Berlin wieder … warum eigentlich nicht das Pokalfinale gegen den DSC … träumen darf doch erlaubt sein.

Rote Teufel auf der Alm

Die Roten Teufel auf der Alm

Doch alle Freundschaft in Ehren, erst mal ging’s zum 31. Spieltag der Saison ins Stadion … und für 90 Minuten gibt’s da ja bekanntlich keine Freunde! Nach einem wunderschönen Tag senkte sich so also langsam die Sonne über die “Alm”, und bei angenehmen Temperaturen, trockenem Rasen und Flutlichtstimmung war vor 12.700 Zuschauern – davon ca. zweieinhalbtausend Lautrern – angerichtet: Die Roten Teufel schickten sich an, den Deutschen Sport-Club zum Abendessen zu verspeisen!

Zum Spiel:

Einlaufen der Teams

Einlaufen der Teams

Während Marco Kurz bis auf den Langzeitverletzten Pierre De Witt auf den ganzen Kader zurückgreifen kann, hat Frank Eulberg Personalsorgen, denn es fehlt mit Michael Lamey, Radim Kucera, Michael Delura, Arne Feick und Rüdiger Kauf ein guter Teil des Kaders.

Verhalten beginnt das Spiel: es scheint beinah, als seien sich die beiden Mannschaften nicht sicher, was sie nun, da das meiste ja gelaufen ist, voneinander halten sollen. So bleiben spannende Situationen in den ersten Minuten Mangelware. Die ersten “halben” Chancen erarbeiten sich in der 4. Minute Nils Fischer und in der 5. die Kombination aus Giovanni Federico und Christopher Katongo, die aber von Tobias Sippel problemlos geklärt werden können.

So ist es der größte Spaß, die Ecken zu zählen, die der FCK im gefühlten Duzend herausspielt. Davon bemerkenswert in der neunten Minute, wo es zu großem Durcheinander vor dem Arminentor kommt, Fortuna aber nicht die Hand über den FCK hält. Eine frühe Führung wäre wohl auch ungerechtfertigt gewesen.

In der 14. Minute verpasst Martin Amedick … nach einer Ecke, wie könnte es anders sein … Alexander Bugeras Hereingabe nur knapp. Erneut hätte es das erste Tor für die Roten Teufel sein können.

So bleibt es bei einem verhaltenen, aber nicht unspannenden Spiel, bei dem der FCK in den ersten 20 Minuten leicht spielbeherrschend, aber nicht dominant ist. Vielmehr dominieren kuriose Situationen das Geschehen, so zum Beispiel in der 17. Minute, als Bugera den Ball nicht erreicht und vom Fuß- zum Handball übergeht. Natürlich gibt es Gelb.

In der 19. und 20. Minute elegante Symmetrie seitens der Lauter. Erst spielt Sam über links auf den Kasten. Dennis Eilhoff kann den Ball aber erreichen und es kommt zu einer wenig spannenden Ecke. Dann spielt Florian Dick gleich drauf über rechts und holt … man darf raten: eine Ecke heraus, die erneut zu nichts führt.

Herzflattern gibt’s nochmal in der 24. Minute in der Kurve, als Tobias Sippel und Martin Amedick sich nicht einigen können, wer denn nun den Ball annimmt und es fast zu einer brandgefährlichen Situation vor dem Lautrer Tor kommt. Am Ende muss man wohl konstatieren: Glück gehabt!

Insgesamt läuft das Spiel verhalten weiter, um nicht zu sagen: langweilig. Beide Mannschaften kommen einfach nicht über ihre Mittelfeldfronten heraus und wenn doch, dann fehlt es an der Abstimmung mit dem Sturm. Besonders Erik Jendrisek macht den Eindruck, als denke er zu viel nach, statt konsequenter nach vorne oder zur Seite abzuspielen. Gerade Florian Dick steht häufig frei und wird von seinen Teamkollegen schlicht übersehen.

Aber wer glaubt, bei den Arminen sehe es besser aus, der irrt: viel zu passiv plätschert das Teutonen-Spiel dahin, was sich unter anderem dadurch manifestiert, dass Stürmer Pavel Fort in der sage und schreibe 32. (in Worten: zweiunddreißigsten) Spielminute seinen ersten Ballkontakt hat. Es scheint, als wären die Arminen bereits in der Sommerpause und wenig daran interessiert, ob sie am Ende nun auf Platz vier oder zehn stehen. So ist es der FCK, der in der 33. Minute die erste wirklich gute Chance im Spiel hat: Sidney Sam bedient Adam Nemec, der spielt zurück zu Sam und der Kleine – nicht faul – versucht es mit dem kurzen Eck, was Dennis Eilhoff dann aber dennoch zur … genau: Ecke … klären kann.

Weiterhin bleibt das Spiel durchschnittlich und lebt von Standardsituationen, statt Spannung aus dem Spielablauf zu generieren. Wenngleich man attestieren muss, dass sich Bielefeld langsam auf Augenhöhe vorarbeitet.

Katongo beim Elfmeter

Katongo gegen Sippel: Elfmeter

Symptomatisch dafür ist denn auch die Führung des DSC, die durch einen Elfmeter zustande kommt, den Martin Amedick durch ein Foul an Pavel Fort verursacht. Zwar muss dieser wiederholt werden, aber auch beim zweiten Versuch kann Christopher Katongo Tobi Sippel bezwingen. Es steht für die Arminia glücklich 1:0 … der Pausenstand!

Was in der Kabine passiert ist, ist nicht überliefert … aber Marco Kurz muss wohl die richtigen Worte gefunden haben, denn so dauerte es nach dem Anpfiff der zweiten Hälfte nicht einmal drei Minuten, bis Florian Dick die Linie entlangspielt, dann auf Sidney Sam flankt und der direkt an Dennis Eilhoff vorbei in die Maschen einnetzt! Der Ausgleich … und diesmal tatsächlich aus dem Spielverlauf herausgespielt. Wir notieren: der Torschütze ist einer der beiden, die sich die Woche doch “so schlimm” angegangen waren.

Der FCK macht weiter und gleich eine Minute drauf ist es in ähnlicher Situation wieder Florian Dick, der diesmal auf Erik Jendrisek passt. Diesem wird aber von Kevin Kerr das Triumpferlebnis versaut.

Bald darauf reagiert Marco Kurz und bringt Srdjan Lakic für Adam Nemec. Eine klare Ansage: Unentschieden reicht nicht! Hier muss ein Sieg her!

Die Lautrer machen jetzt Druck, doch auch Bielefeld kommt langsam wieder aus der Kabine zurück ins Spiel. Und wie zur Unterstreichung seiner Ambitionen wechselt Marco Kurz gleich darauf Ivo Ilicevic für Markus Steinhöfer ein.

Es wird spannender: in der 66. Minute kann Srdjan Lakic einen gut platzierten Freistoß direkt auf’s Tor befördern, aber leider steht Dennis Eilhoff dem Ball im Weg. Ob dies einfach nur Glück war oder hervorragende Intuition des Arminen-Keepers, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Für letzteres spricht, dass Eilhoff vier Minuten später einem gutplatzierten Torschuss Alexander Bugeras ebenso präzise im Weg steht.

Spielszene

Spielszene

In der 71. bzw. 72. Minute reagiert dann Frank Eulberg auf die immer deutlichere Feldüberlegenheit der Lautrer und bringt Zlatko Janji und Jonas Kamper für Pavel Fort und Giovanni Federico, die unter Pfiffen den Platz verlassen müssen. Und so langsam kommt dann auch die Fankurve der Arminen, die bis zu diesem Zeitpunkt den mehr als eifrigen Lautrern das Feld überlassen hatten.

In der 76. Minute bietet sich noch eine kuriose Rudelbildung auf dem Rasen, wobei zwei Arminen auf dem Boden liegen und es am Ende zwei gelbe Karten gibt: eine für Sidney Sam und eine für Markus Bollmann. Warum genau, ist von der Tribüne oben schwer auszumachen.

Es scheint zehn Minuten vor Schluss so, als wäre die Luft draußen, als wären die körperlichen Reserven aufgebraucht, doch gerade in dieser Phase drängt sich andererseits der Eindruck auf, als wolle der FCK dennoch den Sieg noch nicht abhaken. Insbesondere Sidney Sam steckt nicht auf, lässt das Leder in der 82. Minute knapp über den Kasten fliegen und passt in der 84. Minute geschickt auf Georges Mandjeck, der am Strafraumrand in Lauerstellung steht. Dessen Torschuss kann Dennis Eilhoff aber noch abblocken.

So bringt Marco Kurz fünf Minuten vor Schluss frische Kondition ins Spiel und tauscht den heute zwar emsigen aber wenig präzisen Erik Jendrisek gegen Dragan Paljic aus. Kurz danach zur Abwechslung mal wieder eine Standardsituation: Alexander Bugera passt einen Freistoß in den Strafraum und im Luftkampf ist es dann … endlich mal wieder … Srdjan Lakic, der die Blase in die Maschen drückt. Kaiserslautern führt vier Minuten vor offiziellem Spielende 2:1. Auch hier sei angemerkt: Dies war der zweite der Streithähne der vergangenen Woche!

Lautrer Gästeblock

Laut(r)er Gästeblock

Die Fankurve, die das ganze Spiel über laut und aktiv den 12. Mann gegeben hat, schwenkt nun zu “Nie mehr 2. Liga”-Gesängen um und macht deutlich: Wir haben keinen Zweifel daran, wer hier heute gewinnt.

Das Spiel verflacht folgerichtig und Lautern nimmt sich Zeit, will die Führung bis zum Ende retten, ohne allerdings auf weitere Stiche in die Bielefelder Hälfte zu verzichten. Indes scheint sich die Arminia mit Schmollen zufriedenzugeben und setzt nach dem Rückstand nicht mehr dazu an, diesen noch auszugleichen.

Am Ende also ein sehr verdienter Auswärtssieg der Roten Teufel, wobei insbesondere in der ersten Halbzeit der Zug zum Tor gefehlt hat. Befremdlich allerdings der fehlende Überblick im offensiven Mittelfeld und Sturm. Zwar stand die Abwehr erneut wie eine Eins, aber zu häufig verfingen sich die Spieler kurz vor dem gegnerischen Strafraum. Hier muss mehr Kreativität und mehr Überblick her. Auch zu bemerken ist der häufige Versuch, durch langes Nachdenken “noch” besser vor das Tor zu kommen, anstatt durch gute tatktische Abstimmung und Laufbereitschaft der potentiellen Anspielpartner den Zug nach vorne zu beschleunigen.

Diver

Diver

Fazit: Verspeist haben wir die Arminen, allerdings war’s kein Gelage, sondern eher ein zäher Imbiss!

Und nur nebenbei bemerkt: Wenn in Zukunft immer diejenigen, die sich die Woche davor in die Wolle gekriegt haben, jeweils einmal einnetzen … dann streitet Euch bitte in Zukunft häufiger … heute hat’s vielleicht nicht für ein Feuer gereicht, aber die Glut war dennoch superheiß!

Queer Devils und ein Blauer Bengel

Queer Devils und ein Blauer Bengel

Für uns war’s alles in allem hauptsächlich nervenaufreibend! Aber nach ein paar weiteren gehopften Kaltgetränken mit den Bielefeldern vor’m Stadion machte sich dann die nötige Bettschwere breit und glücklich und zufrieden ging’s nach Hause bzw. ins Hotel. In Gedanken schon beim nächsten Heimspiel … hoffentlich – bitte, bitte, bitte – mit anschließender Aufstiegsfeier!

Kommentare

Ein Kommentar zu “Dinner in Ostwestfalen”

  1. Matze sagt:

    Danke für diesen Sieg! Jetzt kann am Freitag aufm Betze die mega Party steigen und 50.000 Zuschauer werden live dabei sein! Das wird der absolute wahnsinn!!!

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