Mit einem Schuss nach hinten Sieg verschenkt
11. April 2010 | eingestellt von mg
Der 1.FC Kaiserslautern muss sich mit einem mageren Remis gegen den FC Union Berlin begnügen.
41.144 Zuschauer zum Heimspiel am gestrigen Samstag gegen den FC Union Berlin! Drittbester Heimbesuch der laufenden Saison! Partystimmung im Fritz-Walter-Stadion? Wäre garantiert gewesen, wenn die Roten Teufel nach der späten 1:0 Führung noch nachgelegt hätten oder zumindest mit Disziplin, Konzentration und “eisernem” Willen den knappen Vorsprung über die Zeit gebracht hätten. Wäre, hätte, könnte…die “meisterlichen” Formulierungen des Konjunktives nutzen nicht mehr viel, um nicht zu sagen, nutzen nichts mehr!
Der 1.FCK hat binnen einer Woche zum zweiten Mal wichtige Punkte liegen lassen. Punkte, die einem beruhigenderen Schlussspurt vier Spieltage vor Ende der Saison 2009/2010 gut zu Gesicht gestanden hätten. Beruhigend für die gebeutelte Fangemeinde, beruhigend für die junge Mannschaft, beruhigend für die Verantwortlichen und Finanzplaner in der Chefetage des Betzenberges. So wird eine Entscheidung um das unausgesprochene Ziel einer Rückkehr in die Beletage des deutschen Fußballs zunächst weiter vertagt. Was die gestrige Partie betrifft, so darf und muss man als Beobachter mit FCK-Herz und FCK-Brille dennoch zähneknirschend attestieren, dass die Eisernen sich mit ihrer disziplinierten Taktik und nimmermüdem Fleiß diesen einen Punkt in der Tat redlich verdient haben.
Doch der Reihe nach. Bereits die Tage vor der Partie verprachen trotz der Pleite im Ruhrpott am vergangenen Ostersonntag einen hohen Zuschauerzuspruch. Man konnte im Ticket-Center förmlich zusehen, wie das Kontingent an verfügbaren Tickets schwand. Auch das Wetter spielte gestern mit. Traumhafter Sonnenschein schon am frühen Morgen…es war angerichtet, die Stadt schien Stunden vor dem Spiel zu pulsieren und zu köcheln.
Erstligareife Stimmung auf den Rängen also auch kurz vor der Partie. Eine fast perfekt inszenierte Choreographie auf der Westtribüne, initiiert von der Frenetic Youth – “unsere Farben sollen fliegen, für den Verein den wir so lieben” prangte quer vor dem Zaun der Tribüne, während über die gesamte Fan-Wand rot-weiße Bänder über den Köpfen durch die Luft tanzten. Tolle Idee, wenn auch der geplante optische Effekt nur von bescheiden kurzer Dauer war. Trotzdem…danke Jungs, für so viel Engagement und Zeit-Investition. So mancher Stadionbesucher außerhalb Eurer Reihen darf sich davon gern eine Scheibe abschneiden.
Der 1.FCK begann in der Deckung wieder mit gewohntem Gesicht. Florian Dick war nach der Gelbsperre wieder mit im Boot. Der Riegel Bugera Rodnei, Amedick, Dick stand wieder in alter Manier zusammen. Etwas überraschend der Einsatz von “Basti” Schulz für den gelb gesperrten Georges Mandjeck. Sicher keine souveräne Partie gespielt, aber wer will es nach so langer Auszeit verdenken. Trotzdem viel Glück für die restlichen Spiele, Basti!
Bereits die ersten Minuten der Begegnung zeigten auf, wie der Hase hier gestern laufen sollte. Die Berliner agierten aus einer tiefen Deckung heraus, stets bemüht auch die Lauterer Außenpositionen gar nicht erst zur Geltung kommen zu lassen. Lediglich zwei Offensivkräfte in den Reihen der Berliner signalisierten schon die angestrebte Taktik der Gäste. Der FCK tat sich gerade im heimischen Stadion in der laufenden Saison schon einige Male schwer gegen Mannschaften, die ihr Heil hauptsächlich in der Defensive suchen und suchten. So gab es in Halbzeit eins für den 1.FCK auch lediglich eine einzige echte Torchance! Jendrisek vergab dabei aus aussichtsreicher Position nach eher zufälligem Zuspiel von Adam Nemec. Zu wenig, wenn man einen solchen Gegner “nieder-arbeiten” will!
Auch in Halbzeit zwei tat sich der 1.FCK zunächst schwer. Wenig Spielfluß, häufige Ballverluste, wenig sichere Ballbeherrschung. Vielleicht ein Zeichen von Nervosität? Man muss hier klar erkennen, dass die Berliner weiter ein unbequemer Gegner waren, in ihrem eigenen Spiel viel für die Zerstörung des gegnerischen Spielaufbaus taten, mit hochgewachsenen Leuten auch viel Anteil in der Lufthoheit hatten, um dennoch selbst immer wieder mit schnellen Vorstößen für Gefährlichkeit Richtung Tobias Sippel zu sorgen. Sie hatten letztlich Möglichkeiten im Raum, die sich den Lauterer Offensivkräften in der Häufigkeit und mit dem Platzangebot gar nicht boten. Marco Kurz reagierte in der 65. Minute mit einem Doppelwechsel. Srdjan Lakic für Adam Nemec und Ivo Ilicevic für den glücklosen Markus Steinhöfer. Der FCK erarbeitete sich nun mehr und mehr Spielanteile und kam endlich auch zu den so wichtigen Standards wie Eckbällen und Freistößen.
In Minute 69 dann fast die Führung durch Martin Amedick, der mit einem nicht genug platzierten Kopfstoss das Berliner Gehäuse nur knapp verfehlte. In der 72. Minute sollte das Geduldsspiel dann aber belohnt werden. Ein Eckball von Alexander Bugera von rechts, scharf vor die lange Ecke, wo Rodnei goldrichtig stand und zur Führung des 1.FCK einnickte. 1:0! Die Spannung entlud sich nun explosionsartig und man spürte förmlich wie sehr die Kulisse nicht nur klare Chancen sondern eben auch auf die Führung herbeigesehnt hatte und sie nun frenetisch quittierte!
Nun war auch Feuer von den Rängen unterm Dach! Aber wer glaubte nun sei der Knoten geplatzt oder der Funke habe einen Schlüssel und eine Tür durch den dichten Berliner Abwehrriegel gefunden und würde selbigen nun im Sturm erobern, der sah sich getäuscht. Die Berliner ihrerseits wehrten sich nun entschlossener, kamen nun schneller und häufiger und auch gefährlicher vor das Lauterer Tor. Sieben Minuten nach der Lauterer Führung war es dann auch schon passiert. Nach einem langen Freistoß von Matuschka von halblinks konnte der Ball nur halbherzig abgewehrt werden, der gerade eingewechselte Ede drosch den Ball an den rechten Pfosten, von wo er Srdjan Lakic an den Fuß sprang und sich postwendend im eigenen Netz wieder fand. Ausgleich! Kopf hoch Srdjan, Dir macht keiner einen Vorwurf, das ist auch schon ganz anderen passiert und Du hast uns in dieser Saison auch schon so manchen Punkt unterstrichen!
Auch das Ausgleichstor zeigte nicht die nötige Trotzreaktion, löste in den Reihen der Lauterer nicht den Zorn aus, für den der Betzenberg früher gerade in den Schlussminuten einer solchen Partie so gefürchtet war. Im Gegenteil, der FCK hatte in der Schlussphase sogar noch Glück, als Tobias Sippel mit hohem Risiko einen blitzsauberen Konter zunächst abwehrt und Abwehrchef Martin Amedick beim Nachschuss goldrichtig steht und das Leder in letzter Sekunde förmlich von der Linie kratzt. Eine Schrecksekunde, die den Berlinern fast noch den Sieg gebracht hätte!
Doch es blieb dann letztlich bei diesem für beide Seiten sportlich gerchten Unentschieden. Die Stimmung unter dem Lauterer Anhang war natürlich gedämpft, während die 2.000 angereisten Berliner noch minutenlang den Punktgewinn feierten. Hut ab übrigens vor Euren Fans, liebe Berliner und Kompliment für die Aktion mit Eurem Party-Sonderzug, mit dem auch die komplette Mannschaft die Heimreise antrat. Man darf Euch und dem deutschen Fußball wünschen, dass Ihr mit Eurem “Kult-Status” mindestens der zweiten Liga erhalten bleibt. Wer weiß, vielleicht ist es Euch ja vergönnt in den kommenden Jahren die Hauptstadt mal in Liga eins zu vertreten. Aber bitteschön erst, wenn wir wieder drin sind!
Die gestrige Ernüchterung war den meisten Fans natürlich anzumerken. Dennoch wurde auch im Stadion und an vielen Plätzen und Plätzchen drumrum noch lange diskutiert und gerechnet. Natürlich ist es ärgerlich, dass wir vergangene Woche in Oberhausen mit augenscheinlich eher überheblichem Gekicke und gestern mit zu wenig bissigem Betzenberg-Fußball ein noch dickeres Polster eingefahren haben. Doch was ist denn letztlich passiert? Im Grunde nicht viel. Der 1.FCK bleibt auch nach dem 30. Spieltag Spitzenreiter der 2. Liga (…wer hätte dass denn bitteschön vor dem ersten Spieltag unterschrieben…?) mit aktuell 6 Punkten Vorsprung auf den Tabellenzweiten, 7 Punkten auf Platz drei und mindestens satten 11 Punkten auf den vierten Tabellenplatz.
Auch wenn unsere Mannschaft die jüngste in der Liga ist, sowohl die Spieler als auch der Trainer- und Betreuerstab sind Profi genug, um zu wissen, dass diese Arbeitswoche keine glanzvolle war! Profi genug, um aus den Defiziten Lehren zu ziehen und Korrekturen vorzunehmen. Es sind noch 12 weitere Punkte zu verteilen und in den letzten Wochen haben nicht nur wir welche abgegeben. Also Leute, Ruhe bewahren. Lasst den Rechenschieber noch in den Schubladen, das stiftet nur Irritation.
Wir Queer Devils haben noch lange im Stadion die immer noch unangefochtene Tabellenführung begossen, um im Anschluss auch im 12. Mann noch ein paar fachliche Meinungen mit dem einen oder anderen Bierchen zu unterstreichen. Nach dem ersten Groll über die verpasste gestrige Chance war auch beim Verfasser alsbald wieder Gelassenheit eingekehrt, die letztlich zu einem ebenso gelassenen “Absturz” bei diversen gediegenen Gläsern Rotwein führten, um dann irgendwann am Ende eines nicht ganz so glanzvollen Tages selig einzuschlafen…mitsamt der aktuellen Tabelle der zweiten Liga im Arm…! Na dann, Prost…! Bielefeld, wir kommen…
(mg)
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Nur noch 4 Spiele bis der FCK endlich wieder daheim in Liga 1 angekommen ist:-)