Eher Kätzchen, die mit dem Wollknäuel spielen
30. März 2010 | eingestellt von mms
Die Roten Teufel servieren eher zahnlose Löwen mit 4:0 ab
(29. März 2010)
Es war nicht der einzige Jubel im Fritz-Walter-Stadion am Montag Abend, aber dennoch ein besonderer: Als die Anzeige der Zuschauerzahl die 40.000 nur knapp unterschritt, war einmal wieder allen klar: Der FCK spielt – zumindest was seine Fans angeht – schon lange Champions-League. Entsprechend war die Stimmung auf Deutschlands höchstem Fußballberg von Anfang an einfach … teuflisch! Vollbesetzte Ränge bei Flutlicht-Atmosphäre ließen schon vor dem Anpfiff erahnen, dass der Abend etwas Besonderes werden würde.
Nach dem Augsburger Patzer und dem Unentschieden der Fortunen im Karlsruher Wildpark konnte unsere Mannschaft ihren Vorsprung auf einen Nichtaufstiegsplatz auf sagenhafte 15 Punkte ausbauen … bei 18 weiteren, die in den kommenden Spieltagen noch zu vergeben sind. Welch Motivation!
Doch die Löwen kamen, zumindest theoretisch, mit breiter Brust auf den Betzenberg, hatte man doch drei Siege in Folge auf dem Konto und in der Rückrunde exakt gleich viele Punkte eingefahren wie der überragende Spitzenreiter aus der Pfalz.
Ein Blick in die Gästekurve verhieß gediegene Stimmung und Erinnerung an alte Freundschaft. Zwar drangen beim Einlauf der Gäste vereinzelt Pfiffe aus der Westkurve, doch insgesamt wurden die Münchener freundlich empfangen (von Matthieu Beda einmal abgesehen). Als Antwort kam denn auch von “drüben” ein Banner, der unsere Herzensangelegenheit unterstützen sollte: “Dem Fritz-Walter-Stadion zu Ehren: zusammenhalten und wehren!”
Danke, liebe 60er! Und mögt Ihr vielleicht doch noch im Grünwalder-Stadion irgendwann Euere alte Heimat erneut finden. Wir jedenfalls wünschen es Euch von Herzen, dass Ihr aus diesem überdimensionierten Fußballreifen herauskommt.
Zum Spiel:
Wer am Samstag zuvor das Spiel der Fortunen aus Düsseldorf gegen den KSC verfolgt hatte, konnte leichte Bedenken haben, ob die Roten Teufel heute ähnliche Müdigkeitseffekte zeigen würden, wie die Niederrheiner. Nach dem Powerplay am vergangenen Montag in der Esprit-Arena sah man denen nämlich deutlich die Erschöpfung an.
Doch schon in den ersten fünf Minuten waren diese Bedenken fortgewischt.
Dabei begann das Spiel zunächst holprig und schon in der ersten Spielminute sah Djordje Rakic Gelb wegen Foulspiels. Dann allerdings konzentrierten sich die Mannschaften darauf, Fußball zu spielen. Und was für einen!
Für gegenseitiges Abtasten ist keine Zeit, stattdessen setzen beide Seiten auf druckvollen Fußball vom ersten Moment an. Schon in der fünften Minute kann Gabor Kiraly gerade noch klären, als Markus Steinhöfer dessen Kasten ins Visier nimmt und auf Jendrisek flankt.
Gleich drei Minuten später ist Rakic gefährlich, aber etwas zu früh losgelaufen: Abseits.
Dann der erste Freudenzauber für die Kurve. Nachdem Antonio Rukavina gerade noch zu einer Ecke klären kann, verwandelt Markus Steinhöfer dieselbe zum 1:0 Führungstreffer. (Ob Erik Jendrisek Gabor Kiraly wirklich behindert hat, können wir von der “West” aus weder bestätigen noch dementieren. Egal: Tatsachenentscheidung ist Tatsachenentscheidung … und Schiedsrichter Guido Winkmann, sonst heute nicht mit den glücklichsten Lippen an der Pfeife, hatte das Tor gegeben, basta!)
In der Folge drängen die Münchener auf den Ausgleich, erhöhen Ihren Anteil am Ballbesitz und bringen die Lautrer durchaus etwas ins Schwitzen. Bezeichnend für diese Phase der flotte Vorstoß von Benjamin Lauth, in dessen Folge Tobias Sippel – souverän den Ball fangend – mit Rodnei zusammenprallt. Kurz stockt der Kurve der Atem, denn Rodnei liegt am Boden, fängt sich aber nach knapp einer Minute wieder. Gottseidank nichts passiert!
Das Spiel wird recht ruppig, von Verschnaufpause keine Spur. Doch die spannenden Chancen erarbeitet sich Lautern. So vergibt zum Beispiel Erik Jendrisek nach einem bösen Abwehrfehler von Matthieu Beda einen Zufallsball in der 22. Minute völlig frei meterweit über das Tor. Das hätte das 2:0 sein können, das Erik aber acht Minuten später nach etwas planlosem Hin und Her nach einem weiteren Fehler von Beda und der daraus resultierenden Vorlage von Adam Nemec eiskalt einnetzt. Der Jubel in der Kurve ist gewaltig, die Stimmung definitiv erstligareif!
Noch haben sich die Löwen aber nicht aufgegeben. So muss Juri Bilek im Sechszehner etwas hektisch agieren und trifft in der 33. Minute Dominik Stahl am Kopf. Den resultierenden Elfer von Alexander Ludwig aber kann Tobi Sippel, der kurz vorher auch noch die gelbe Karte (wohl wegen Meckerns) gesehen hat, parieren. Weiterhin 2:0.
Die folgende viertel Stunde ist hektisch, zeitweise besonders auf 60-er-Seite deutlich brutaler als noch davor, was sich auch in zwei gelben Karten ausdrückt. Geschenkt wird sich hier nichts, auch wenn der FCK in den letzten 5 Minuten der ersten Halbzeit den Druck etwas herausnimmt und die 2:0-Führung bis zur Pause verwaltet.
Nach dem Seitenwechsel ist die Partie zunächst etwas verhaltener als noch kurz davor, aber weit davon entfernt, langweilig zu werden. Einen erneuten Stolperer von Beda können die Teufel nicht verwerten, sonst kommt München hauptsächlich durch Standardsituationen an Tobi Sippels Kasten heran. Die Rote Abwehr ist einfach nicht zu knacken, weder in der 55. durch Lauth, dessen Schuss Sippel locker aufnimmt noch in der 60. Minute, als Lauth und Rakic im freien Duo nicht weit kommen und am Ende den Ball genau auf Mandjeck spielen.
In der 61. Spielminute dann doch eine sehr gute Chance für die Löwen: Nach einem Freistoß verpasst Jose Holebas den Kasten nur knapp.
Die Dominanz der Lautrer wird immer spürbarer. Zwar mühen sich die Löwen immer noch deutlich, können aber einerseits gegen das fest stehende Bollwerk nichts ausrichten, andererseits im Sturm keine wirklichen Akzente setzen. Und wenn’s doch mal etwas spannender wird, steht Sippel fest vor seinen Maschen.
In der 65. Minute geht eine Geschichte zuende: Völlig verdient sieht Florian Dick die gelbe Karte, und so wird im Spiel gegen Oberhausen am Ostersonntag zum ersten Mal seit 28 Spieltagen eine andere Abwehrkette auf den Platz gehen.
Doch nicht, dass so etwas die Jungs auf dem Platz verwirren würde. Die haben ganz andere Sorgen … nämlich die, nicht ganz zu arrogant zu wirken … die Löwen scheinen sich langsam aufzugeben und … schwups … wie aus heiterem Himmel verlängert Adam Nemec erneut auf Erik Jendrisek und der knallt das Ding an Kiraly vorbei: 3:0.
Man könnte meinen, das wäre es dann … 71. Spielminute, 20 Minuten zu spielen, drei Tore Vorsprung … doch wer hier meint, Lautern wäre zufrieden, irrt sich gewaltig. Fast hätte es zwei Minuten später durch Mandjeck 4:0 gestanden, aber Kiraly kann parieren.
Zuweilen kommen die Löwen nun aber auch wieder aus der Deckung und testen die Lauterer Abwehr, in der 75. Minute scheitert Ludwig an Sippel, in der 77. Minute schafft er es sogar ziemlich knapp über das Tor.
Bei uns in der Kurve hindes eine Stimmung, die so manches Spitzenspiel der europäischen Topligen gerne sehen würde … und das an einem Montag lange nach Sandmännchenzeit. LaOla-Welle, Taschentücher und … “nie mehr zweite Liga!” Hach, sehnen wir uns heim ins Oberhaus! Zeit wird’s … und zwar gehörig!
In den letzten Minuten dann wird immer deutlicher, dass das Spiel (egal, wie regulär das 1:0 auch gewesen sein mag) eindeutig den Lautern gehört. Trotz gefühlter 500 Freistöße können die Löwen nichts verwerten und liegen verdient zurück. Aber als wäre das Schaulaufen der Lautrer nicht genug … statt die drei Tore schnöde zu verteidigen zimmert der kurz vorher eingewechselte Ivo Ilicevic, angespielt durch Georges Mandjeck die Kugel vom rechten Strafraumeck noch eben einmal halbhoch in die linke Torecke. Kiraly hätte eigentlich nicht mehr hinter sich greifen müssen: Das Spiel ist aus!
Also, alles in allem: Hochverdiente drei Punkte für die Roten Teufel, obwohl die Löwen sicherlich nicht schlecht gespielt haben. Powerplay fast durchgängig und das nach dem kräftezehrenden Auftritt in Düsseldorf. Schade um unsere Abwehrreihe, aber Florian ist ja wieder zurück, wenn’s zuhause gegen Union geht. Ein besonderes Lob hier noch an Adam Nemec, der durchgehend kämpfte und sich nicht zu schade war, abzugeben, statt selbst seine Torbilanz aufzubessern und an unseren Kampfhund Jiri Bilek. Letzterer, manchmal etwas übersehen, ist mittlerweile ein fester Bestandteil des defensiven Mittelfeldes, und zuweilen auch mal ganz gefährlich vorne zu finden. Bewundernswert! Weiter so!
Und ohne die Statistiker bemühen zu wollen: Bisher hat es nur Hannover 96 geschafft, am 28. Spieltag über 60 Punkte zu haben … und die hatten am letzten Tag dann 75! Also: Wir wissen, wo die Latte liegt! 18 Punkte sind noch zu vergeben.
Auf nach Oberhausen, wenn’s dort drei Punkte gibt, ist uns der dritte Platz nur noch zu nehmen, wenn Düsseldorf unverschämt viele Tore schießen sollte … so etwa 16 mehr als wir!
Bon appetit!
(mms)









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