Fortunas Füllhorn und die Fortunen
24. März 2010 | eingestellt von mms
Der 1. FC Kaiserslautern trennt sich mit einem torlosen Remis von Fortuna Düsselorf
(22. Februar 2010) Es war ein Event der Extraklasse, zu dem zum Abschied des 27. Spieltags in der Düsseldorfer Esprit-Arena geladen wurde: Die auswärtsstärkste Mannschaft der Liga trat an, sich mit jener Mannschaft zu messen, die über die gesamte Saison in der heimischen Atmosphäre durchgehend ungeschlagen blieb: Aufsteiger Fortuna Düsseldorf empfing den Spitzenreiter Kaiserslautern.
Zwei Dinge waren allerdings bereits vor dem Spiel klar: An der Tabelle würde sich nichts ändern, egal, wie das Spiel verliefe. Und vor über 35.000 Zuschauern würde dieses Spiel eindeutig eine Traumatmosphäre bescheren.
Etwa viereinhalbtausend Lautrer schafften den Weg in die Arena im nördlichen Düsseldorf und verwandelten so die dortige Nordtribüne in eine Art heimische Westkurve: farbenfroh, laut und munter! Und auch auf der anderen Seite wehten die rot-weißen Fahnen der Fortuna in Fülle, womit – unter anderem auch der Akustik im Stadion geschuldet – eine grandiose Kulisse die Spieler empfing. Gefühlte Erstligaatmosphäre auf den Rängen lies die Erwartungen hoch wachsen: Würde es der Tabellenführer schaffen, die unglaubliche Heimserie der Gastgeber zu brechen oder wären eher die Fortunen im Glück und könnten den Anschluss an die drei Spitzenplätze bewahren?
Nun, weder das eine noch das andere war der Fall: Mit dem 0:0 konnten die Roten Teufel ihren Platz an der Sonne zwar nicht ausbauen, dafür aber beeindruckend festigen (derzeit sind es 5 Punkte Abstand auf unsere Verfolger aus Augsburg), auf der anderen Seite dürfte der Traum vom Durchmarsch in die erste Liga für Düsseldorf nun langsam ausgeträumt sein. Sieben Punkte Abstand auf den Tabellendritten sind nach dem 27. Spieltag eine ganze Menge Holz.
Doch zur Sache: Fortuna in rot, Lautern in weiß … es waren die richtigen Farben auf dem Feld. Und druckvoll ging es los: Bereits nach drei Minuten die erste (halbe) Chance für die Gäste, die Tobias Sippel, der an diesem Tag seinen 22. Geburtstag feierte, souverän abfangen kann. Gleich drauf bedient Sidney Sam Erik Jendrisek auf der anderen Seite, doch der Ball verfehlt den Kasten um ein paar Zoll. Die erste große Chance zur Führung. Doch gleich drei Minuten drauf ist es wieder Sippel, der in ziemlicher Not klären muss und so eine frühe Führung der Gastgeber verhindert.
In der Folge entwickelte sich ein schnelles und engagiertes Spiel, bei dem klar wurde: keiner wird hier dem anderen etwas schenken. Bezeichnend der lange Schuss Sidney Sams in der 12. Minute, der nur durch den stets wachen Michael Ratajczak noch zur Ecke umgewandelt werden kann. Überhaupt die Ecken: Die sammelt Lautern in der ersten Phase geradezu. Doch alle Standards, meist gut ausgeführt, bringen leider nichts Zählbares hervor.
Dennoch: die zweite Hälfte der ersten Halbzeit gehört eindeutig den Lautrern, die hinten wenig zulassen und nach vorne durch starke Konter überzeugen. Erik Jendrisek und Adam Nemec spielen gut zusammen, erarbeiten sich viele Möglichkeiten zum Durchspielen, scheitern aber immer wieder im Abschluss.
Es kommt zum Duell der Ecken: Ist es noch in der 27. Minute Martin Amedick, der unglücklich danebenköpft, so befördert Claus Costa zwei Minuten später der Ball über den Lauter Kasten. Die Stimmung im Stadion ist einzigartig. Die Arena lässt ein bisschen Betzenbergatmosphäre erahnen.
Danach flacht das Spiel etwas ab. Düsseldorf, das hinten gut steht scheint sich zunächst damit begnügen zu wollen, ein Remis in die Halbzeitpause zu retten, Lautern, andererseits zwar spielbestimmend, bleibt zu häufig im Mittelfeld hängen.
Doch etwa fünf Minuten vor Ende der ersten Hälfte sind es die Nerven der Lautrer Fans, die blank liegen. Fortuna, nun etwas mutiger in der Offensive kommt durch Martin Harnik und Torsten Oehrl gefährlich an die Lautrer Maschen dran und nur dem blitzwachen Martin Amedik ist es zu verdanken, dass hier nicht noch kurz vor knapp die Pausenführung fällt. Gleich im Anschluss noch eine Ecke für die Düsseldorfer, die allerdings den Puls nicht wesentlich erhöht. Keine Chance für die Fortuna, diesen Ball noch hinter Tobi Sippel unterzubringen. So geht die erste Hälfte zwar mit Elan zu Ende, in den letzten Minuten wirkt nun seinerseits Lautern so, als wolle man das 0:0 erst einmal retten, während Düsseldorf auf “mehr” aus ist.
Wir kommen zur zweiten Halbzeit: Unverändert gehen die Mannschaften auf den Platz. Das Spiel bleibt voller Einsatz, allerdings zunächst etwas fader als noch in der ersten Hälfte. Viele lange Bälle beiderseits verhindern ein Durchkommen durch die guten Abwehrreihen. In der 59. Minute wechselt Marco Kurz Srjan Lakic gegen Adam Nemec ein. Ein klares Zeichen, dass jetzt im Angriff mehr gehen muss. In der 61. Minute versucht es Alexander Bugera durch einen Freistoß auf Martin Amedick, aber trotz aller Gefährlichkeit wird kein Tor daraus. Im Gegenzug zeigt Amedick dass an ihm heute kein Stürmer vorbeikommt. Dennoch bleibt die Fortuna stark und in der 68. Minute stockt den FCK-Fans für ein paar Sekunden der Atem. Nach einem Freistoß kommt es zu einem Gemenge vor dem Lautrer Tor und nachdem Sippel nicht klären kann, ist es Fortuna mit ihrem Füllhorn, die dem Leder zunächst den Pfosten in den Weg stellt und ihn dann an der Torlinie entlangrollen lässt. Schließlich entschärft Jiri Bilek die Situation.
Nun ist Düsseldorf voll wach! Lautern lauert hauptsächlich auf Konter. Bezeichnend die 72. Minute, als Sidney Sam sich den Ball holt, nach vorne durchstarten will und von den Beinen geholt wird. Ebenso die 75., wo Erik Jendrisek kämpft und kämpft, den Ball hat, ihn verliert, ihn wieder gewinnt, aber am Ende nur eine Ecke herausholen kann – einen Schuss, der diesmal von Alexander Bugera, der ausnahmsweise mal vor dem Tor steht, leider einen Tick zu hoch auf das Netz der Düsseldorfer geschickt wird.
Die Schlussminuten dann heiß wie Plasma. Besonders die Fortuna drängt nun auf das Lautrer Tor und will offenbar den Sieg erzwingen. Insbesondere aber in der 81. Minute scheint es Fortuna (die mit dem Füllhorn) nicht gut mit der Fortuna (der aus Düsseldorf) zu meinen und verhindert, dass trotz eines ziemlichen Durcheinanders vor dem Lauter Tor der Ball die Maschen findet.
So beruhigt sich das Spiel in den letzten Minuten nicht mehr und man muss ehrlich sagen, dass die Düsseldorfer zu diesem Zeitpunkt hätten durchaus schon führen können. Unsererseits bringt auch die späte Einwechslung von Ivo Ilicevic nichts mehr, ebensowenig der Tausch Jiri Bilek gegen Manuel Hornig. In der 90. Minute noch einmal ein Versuch von Martin Harnik, einen Freistoß direkt im Lautrer Tor zu plazieren, aber Sippel kann den Ball sicher abfangen. So bleibt die letzte bemerkenswerte Situation den Lautrern überlassen: Nach einer Ecke kann Srdjan Lakic den Ball per Fallrückzieher gefährlich ans Tor bringen, allerdings wird dieser auf der Linie geklärt.
So steht es mit dem Abpfiff 0:0, die Fortuna bleibt zuhause ungeschlagen, der FCK bleibt mit komfortablem Abstand von 5 Punkten Tabellenführer. Fortuna war heute wohl weder mit den Fortunen noch mit dem FCK. Dennoch: Das Spiel war absolut Erstliga-tauglich sowohl auf dem Platz als auch auf den Rängen.
Wir Queer Devils hatten uns übrigens schon am Sonntag nach Düsseldorf gewagt und in netter Runde bei dem einen oder anderen Bier den Spieltag eingeläutet. Insgesamt waren wir dann elf Leute in der Esprit-Arena, und wurden sogar noch von zwei Duisburgern (denen wir einfach sympathisch sind …) unterstützt.
Alles in allem: Es hat sich gelohnt, für den FCK zwei Tage Urlaub zu nehmen und die Kilometer an den Niederrhein hinzulegen. Wenn die kommenden Spiele so weiter gehen sollten, wie in diesem Spiel angedeutet, dann wird es noch ein spannender und emotionsgeladener Saisonabschluss!
Mahlzeit!





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