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23. Februar 2010 | eingestellt von mg

Facettenreicher Sieg gegen Kiezkicker – von astreinem Fußball bis zickigen Dauernörglern

Topkulisse - die Westkurve

Der 1.FCK hat am gestrigen Abend im heimischen Fritz-Walter-Stadion das Spitzenspiel des 23. Spieltages der 2. Liga gegen den direkten Verfolger und Anwärter auf Tabellenplatz eins, den FC St. Pauli, klar mit 3:0 für sich entschieden. Vor 43.687 Besuchern zeigten sich die Roten Teufel nach etwas verhaltenem Beginn der Partie sehr konzentriert, taktisch außerordentlich diszipliniert, energisch in den Zweikämpfen und zielstrebig Richtung gegnerisches Tor.

Mit nunmehr 50 Punkten konnte der 1.FCK seine Tabellenführung damit nicht nur behaupten sondern auch ausbauen und hat nun einen Abstand von 10 Punkten auf den 4. Tabellenplatz.

Aufwärmen vor dem Spitzenspiel

Beide Mannschaften gingen taktisch abwartend in die Partie, deren Ausgang entscheiden sollte, wer mit Abschluss des 23. Spieltages die Tabellenführung behaupten oder übernehmen sollte. Nach der ersten Viertelstunde jedoch hatte der FCK endgültig die Initiative übernommen und begann die Partie mehr und mehr zu kontrollieren.

Erste große Aufregung dann in der 18. Minute, als Martin Amedick einen von Alexander Bugera getretenen Eckball mit dem Kopf wuchtig aufs Tor brachte, jedoch nur den Querbalken traf. Den Abpraller konnte auch der frei stehende Rodnei nicht über die Linie befördern. In der 20. Minute dann aber doch die Führung für den 1.FCK. Florian Dick schickte mit einem blitzsauberen Zuspiel auf der rechten Seite Sidney Sam in die Spitze. Der an diesem Tag glänzend aufgelegte und quirlig auf beiden Außenbahnen agierende Sidney Sam, setzte sich mit der Ballannahme gekonnt durch, tankte sich aus halbrechter Position an Oczipka vorbei in den Strafraum und tunnelte mit einem strammen Linksschuss den überraschten Keeper Matthias Hain! Ein Bilderbuch-Angriff!

Wie in alten Zeiten - volle Ränge auch im Süden

Die Kiezkicker kamen nicht recht ins Spiel. Außer einigen ansehnlichen Kombinationen im Mittelfeld wollte ihnen in Halbzeit eins nicht sonderlich viel gelingen. Lediglich ein harmloser Schuss des eingewechselten Max Kruse (24.) war die gesamte Ausbeute des Tabellenzweiten in der Nähe des Lauterer Strafraumes bzw. Tores. Die stabile Lauterer Abwehrreihe blieb stabil und ließ mit konzentrierter Arbeit erst gar keine Glücksgefühle bei den Hamburgern aufkommen. So agierten die Lauterer Tabellenführer auch aus eben dieser stabilen Abwehr heraus geschickt mal über die Seite oder durch die Mitte und erspielten sich noch einige gute Möglichkeiten durch Ivo Ilicevic (36.) oder Jiri Bilek (39.), ohne jedoch das Leder im gegnerischen Tor unterzubringen. So ging es mit der 1:0 Führung in die Kabine.

...und volle Ränge auch im Norden

In Halbzeit zwei zunächst das gleiche Bild. Eine felsenfeste Lauterer Deckung bediente ein ums andere mal die Anspielstationen auf den Außenpositionen oder im zentralen Mittelfeld und sorgte zumindest für hohen Druck. Die Hamburger hatten dem wenig entgegenzusetzen und kamen auch erst nach einer Stunde überhaupt so richtig ins Spiel. Doch die klareren Chancen hatten zweifelsfrei die Roten Teufel. Der FCK hätte allein durch den bärenstarken Adam Nemec bereits deutlicher führen müssen, der sowohl in der 51. Minute und besonders in der 66. Minute das Torkonto hätte erhöhen können, als er frei vor dem leeren Tor eine scharfe Hereingabe von Erik Jendrisek nicht verwerten konnte.

Super Stimmung nach der Führung!

Dann nahm Marco Kurz gleich einen Doppelwechsel vor (71.). Für Adam Nemec durfte Srdjan Lakic ran, für Ivo Ilicevic wurde Markus Steinhöfer aufs Feld geschickt. Wie schon gegen Paderborn sollte Marco Kurz mit seinen Einwechslungen ein glückliches Händchen haben! Gerade mal 70 Sekunden im Spiel dann die Vorentscheidung. Weiter Abschlag von Sippel, Kopfballverlängerung von Lakic auf Jendrisek, der arbeitet sich in den gegnerischen Strafraum, der verunglückte Ableger landet vor Steinhöfers Füßen, der gedankenschnell abzieht, zwar nur den Innenpfosten trifft, doch den Abpraller geistesgegenwärtig mit dem Kopf einnetzt. 2:0 – das wars…!

Glückwunsch Jungs - Spitzenreiter!

In der 81. Minute beinahe dann noch Sidney Sam’s zweiter Treffer, aber sein schlitzohriger und gefühlvoller Schlenzer von der Ecke des Sechzehners ging leider knapp am Hamburger Gehäuse vorbei. In der 90. Minute kam dann doch noch der Deckel drauf. Ein platziert von Alexander Bugera aus halbrechts scharf in den Fünfmeterraum getretener Freistoß köpfte Srdjan zum hochverdienten 3:0 ein. Junge, das gönnen wir Dir!

Eine Partie die zumindest von Seiten des Lauterer Spiels den Ansprüchen eines Spitzenspiels gerecht wurde. Die riesige Kulisse kam auf ihre Kosten, wenngleich stimmungstechnisch schon hitzigere Partien auf Deutschlands höchstem Fußballberg geboten wurden. Es war aber gestern irgendwie wie in alten Zeiten, das chaotische Verkehrschaos in und um die Stadt lange vor dem Anpfiff, die auf den Berg pilgernden Menschenmassen, der Andrang an den Einlasspunkten, das gut gefüllte Stadion, inklusive gut gefülltem Gästeblock, die Engpässe und das Gedränge vor den Imbissbuden, die hektische Betriebsamkeit aller Orten, bis hin zu den zickigen Dauernörglern auf der Tribüne.

Zufrieden und glücklich - Matze nach dem Spiel

Man merkt schon, wenn sonst knapp 30.000 im Stadion sind und nun so mancher den Weg ins Stadion sucht, der sonst seinen fußballerischen Wissensfundus und seine Künste im Kommentieren von Spielzügen eher im heimischen Wohnzimmer oder in der Fußball-Kneipe am Stammtisch zum Besten gibt. Der Zeitgenosse hinter mir, der gestern das Nervenkostüm zusätzlich belastet hat zumindest, scheint nicht oft in den letzten Wochen, Monaten oder gar Jahren den Weg zum Betzenberg gefunden zu haben. „Was die doo fer en Scheissdräck zammeschbielen“…„jetzt schdeehn halt nit so lahmarschich doo rum, do kannsch jo nit hiegugge“…„der Bugera g’heerd verkääfd“…und so weiter und so fort. Bestechend die Lautstärke, die Beharrlichkeit und die Ausdauer mit der besagter Schreihals die 90 Minuten ansprechenden Fußball kommentierte. Ernüchternd die geringe Wertschätzung, mit welcher der vermeintliche Vorderpfälzer Fußballfreund die eigene Truppe über die gesamte Spieldauer begleitete. „Der Sippel isch so e Mimoos, sowas hedds frieher beim Gerry nit gäwwe, der hed denne Hamburcher doo alleweil umgedrääde, dass er nimmie uffschdehd“! Ah okay, so lange war er dann also auch schon nicht mehr zu Gast bei einem Heimspiel am Betzenberg?

Hoffentlich steigen wir wirklich auf, damit sich zügig wieder ein signifikanter Stamm an Dauergästen in meinem „heiligen Wohnzimmer“ einstellt, mit denen man auch eine Spur objektiver fachsimpeln kann – bei guten, wie bei schlechten Spielen! Denn solche Simpel…„des haldsch im Kopp nit lang aus!“

(mg)

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