5. Tagung der Queer Footballfanclubs auf dem Betzenberg
12. Oktober 2009 | eingestellt von mg
(9. bis 11. Oktober 2009)
Gemeinsam gegen Diskriminierung und Homophobie
Drei Tage lang war Kaiserslautern Gastgeber der QFF. Der Dachverband der schwulen und schwul-lesbischen Fußball-Fanclubs traf sich zu seiner 5. Tagung vom 9. bis 11. Oktober auf Deutschlands höchstem Fußballberg. Ausrichter der halbjährlichen Veranstaltung waren dieses Mal die Queer Devils, der schwul-lesbische Fanclub des 1.FCK. Nach den bisherigen Tagungsorten Dortmund, Mainz, Basel und Göttingen wurde für Herbsttagung 2009 erstmals in einem Stadion diskutiert und gearbeitet. Der 1.FC Kaiserslautern hatte für die Tagung Räumlichkeiten in der Nordtribüne zur Verfügung gestellt.
Die Teilnehmer lernten am Freitag und am Sonntag unter der Obhut der Queer Devils und dem 1.FCK, Stadt und Stadion kennen. Der Samstag war dann der eigentlichen Tagung vorbehalten. Mit Delegierten aus Köln, Bielefeld, Bern, Leverkusen, Dortmund, München, Gelsenkirchen, Hamburg, Zürich, Mainz, Duisburg, Freiburg, Stuttgart und Bremen präsentierte sich die Clublounge der Nordtribüne in einem bunten Bild verschiedenster Vereinsfarben.
Die Delegierten hatten eine gut gefüllte Tagesordnung zu bewältigen. Höhepunkte am Vormittag war die Aufnahme dreier neuer Fanclubs aus Bremen, Duisburg und Zürich. Außerdem eine Ergänzungswahl des Sprecherrates um vier neue Mitglieder. Das Gremium vertritt QFF nach außen, koordiniert die Belange der einzelnen Fanclubs auf Bundesebene und hält Kontakt zu Verbänden und Organisationen wie DFB, DFL aber auch vielen schwulen Interessenvertretungen außerhalb des Fußballs.
Der Nachmittag stand ganz im Zeichen intensiver Gespräche und Diskussionen mit geladenen Gästen von PRO FANS, der Interessengemeinschaft UNSERE KURVE, der Fanbetreuung von Mainz 05, der Fanarbeit Schweiz, einem Vertreter der FCK-Ultras (Generation Luzifer) sowie dem neuen Fanbetreuer des 1.FCK, Christoph Schneller und seinem Vorgänger Stefan Roßkopf.
Wie können sich Interessenvertretungen und Fanbetreuung der Ligavereine in das Thema Homophobie einbringen? Wo sehen die Fanclubs noch Möglichkeiten Aufklärungsarbeit zu intensivieren? Wie soll auf homophobe Vorfälle reagiert werden? Das waren die zentralen Fragen, die hier zwischen allen Beteiligten rege Diskussionen in Gang brachten. Die Berichte aus den einzelnen Fanclubs lieferten ein breites Bild zur aktuellen Problemlage einer noch immer schwulenfeindlichen Haltung vieler Stadionbesucher. Hier möchten Fanclubs und QFF ein Umdenken einläuten, das nur durch Kontinuität im Dialog, in der Präsenz der einzelnen Fanclubs und gezielter Aufklärung machbar sein wird. Alex Schulz von PRO FANS sprach sich hier dafür aus, auch den Kontakt zu den Interessenvertretungen und vor allem zu anderen Fangruppierungen zu suchen, was beispielsweise in Mainz und anderen Ligavereinen schon sehr gut funktioniert.
Christian Gomolzig von der IG UNSERE KURVE ermutigte, mehr Arbeit aus den Fanclubs heraus zu initiieren, da eine übergeordnete Interessenvertretung sich einfach zu vieler Themen annehmen muss und so die Effektivität für solche Arbeit fehle. Aus Hamburg, Stuttgart und Köln wurden phantasievolle Ideen für Fanaktionen in die Diskussion eingebracht, die zur Nachahmung animieren sollten.
Stefan Roßkopf vom 1.FCK und die Teilnehmer der Queer Devils konnten hier auch schon über einige Erfolge der eigenen Aufklärungsarbeit berichten. Dennoch mahnen auch am Betzenberg einzelne Vorfälle negativer Art dazu, bei dem Thema am Ball zu bleiben. Für alle Tagungsteilnehmer steht eines jedoch unverrückbar fest, Diskriminierung, gleich welcher Art, hat im Fußballstadion keinen Platz! Das haben auch die Vertreter des 1.FCK noch einmal deutlich herausgestellt.
Dennoch geht es nicht nur darum schwulenfeindliche Sprüche aus den Köpfen der Fußballfans zu verbannen. Lars Wessel aus Bremen betonte dann auch, „langfristig kann es nur unser Ziel sein, einen Unterschied zwischen hetero- und homosexuellen Fanclubs überflüssig zu machen“. Bis dies soweit sei, würden die QFF die Stimme gegen Diskriminierung und für Normalität überall erheben. Matthias Gehring, der Vorsitzende der Queer Devils zeichnete dann auch die Vision als Ziel, „dass es toll wäre, wenn man als schwuler Mann irgendwann mit seinem Partner Hand in Hand ein Fußballspiel besuchen könne, ohne dabei blöde Sprüche zu ernten und ohne das Gefühl zu haben, dauernd angegafft zu werden, sich ganz so fühlen und bewegen zu können, wie es ja heute jedes heterosexuelle Pärchen auch kann“.
Alle Delegierten waren sich bei den diskutierten Fragen einig, dass Sanktionen wie Stadionverbote – ganz grundsätzlicher Art und nicht nur wenn es um Homophobie geht – nur ein letztes Mittel sein sollten gegen ein Fehlverhalten von Fans vorzugehen. So stellte auch Markus Delnef (Mainz) vom QFF Sprecherrat noch einmal heraus, dass der Dialog im Vordergrund stehen sollte, denn nur so hat man die Chance Fehler oder Fehlverhalten ins Bewusstsein zu rücken.
Im Rahmen der diesjährigen FARE Aktionswoche (Football Against Racism in Europe), die vom 15. bis 27. Oktober stattfindet, wurden alle Fanclubs ermutigt sich offiziellen Aktionen anzuschließen oder eigene ins Leben zu rufen, zumal auch der DFB um das kommende WM-Qualifikationsspiel in Hamburg das Thema erneut öffentlich diskutieren wird.
Mit dem Ende der Tagung wurde wieder der Fußball in den Mittelpunkt gerückt und sollte mit dem WM-Qualifikationsspiel der Nationalelf ein arbeitsintensiver Tages beschlossen werden. Die Teilnehmer des Wochenendes in Kaiserslautern waren sich laut Gernot Kissel von den Queer Devils jedenfalls einig – gelungene Veranstaltung mit tollen Tagungsräumen und einem erlebnisreichen Wochenende! Die nächste QFF-Tagung findet statt vom 8. bis 10. Januar in Leverkusen. Ausrichter für die Wintertagung sind dann die Bayer04 Junxx. (mg)




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