Queer-Devils Geburtstag und Testspiel gegen Eintracht Frankfurt

26. Juli 2009 | eingestellt von mms

(25. Juli 2009)

Vom Traum, endlich einmal deeskaliert zu werden …

200907205 FCK vs Eintracht Ffm 003 by MMS(Presserechtliche Klarstellung: Der folgende Beitrag ist eine Kombination aus Bericht, Kommentar und Meinungsäußerung und bedient sich zuweilen auch des Stilmittels der Ironie!)

Es war ein knuffiger Geburtstag, das vorneweg. Eine Handvoll Queer Devils fanden sich an einem dann wider Erwarten doch ganz sonnigen Samstag Nachmittag zum gemeinsamen Warmtrinken am Schillerplatz ein, um auf unser Zweijähriges anzustoßen. Was wir selbstverständlich auch taten. Prost!

200907205 FCK vs Eintracht Ffm 001 by MMSDanach ging’s auf unseren geliebten Betze zum Testspiel (früher hießen solche Events “Freundschaftsspiel”) gegen die Eintracht aus Frankfurt. Nun, der Spielverlauf ist schnell erzählt. Leider konnten weder Luis Robles in der ersten noch Kevin Trapp in der zweiten Halbzeit den Kasten sauber halten, womit das Spiel am Ende 0:2 ausging. Nichtsdestotrotz war es ein mäßiges, aber ausreichend positives Erlebnis, die neue Mannschaft der Roten Teufel zu sehen. Wenn auch gleich vorab angemerkt sein soll, dass es sich hier zwar um ein Duell mit einem Erstligisten handelte, somit eine Niederlage nicht unbedingt peinlich sein muss, jedoch dass dieser Erstligist offensichtlich mit angezogener Handbremse gespielt hat … sonst wäre die eigentlich schwache Leistung der Eintracht kaum zu erklären. Eine Erklärung mag darin liegen, dass man sich für das kommende DFB-Pokal-Derby gegen Offenbach höchstwahrscheinlich schonen wollte.

200907205 FCK vs Eintracht Ffm 002 by MMSVergleicht man damit die Situation der Roten Teufel, so reicht es wohl nicht, die gezeigte eher mäßige Leistung mit dem kommenden DFB-Pokalspiel in Braunschweig rechtfertigen zu wollen. Gerade diese junge und frisch zusammengewürfelte Mannschaft hätte bei diesem Spiel allen Grund gehabt, sich vor Trainer, Presse, Sponsoren und Fans von ihrer besten Seite zu zeigen.

Negativ ausgedrückt: Wenn das die beste Seite gewesen sein soll, dann kann uns auch kein hoffentlich bald genesener Lakic mehr helfen …

200907205 FCK vs Eintracht Ffm 004 by MMSPositiv ausgedrückt: Es steckt Potential in der Mannschaft. Insbesondere spielerisch durften wir einen ganz anderen Fußball sehen, als noch vor einem oder gar einem halben Jahr. Die Abwehr schien den Überblick zu bewahren, das Mittelfeld agierte (zumindest teilweise) kreativ. Jetzt müssten die Möglichkeiten nur noch umgesetzt werden, und es muss ein druckvoller Sturm her.

Ach ja, der Sturm. Nun, ohne einen immer noch in der Rekonvaleszenz befindlichen Srdjan Lakic hatten wahrscheinlich nur wenige Fans mehr erwartet, als denn auch letztlich auf dem Platz zu sehen war. Erik Jendrisek hatte alles andere als seinen besten Tag und lief dem einen oder anderen Ball eher hinterher als denselben in das Tor zu treiben. Kai Hesse und der Ball schienen entschieden zu haben, wie zwei Nordpole eines Magneten miteinander umgehen zu wollen. Zuweilen kam Sidney Sam vor’s Tor, hatte dann aber entweder keinen Partner zum Zupassen oder zögerte selbst zu lange, das Leder dann eben in Ermangelung eines zweiten Mannes selbst in die Maschen zu befördern.

Wie bereits gesagt: Das Spiel war eine Galerie des Potentials der Mannschaft, leider aber eben auch eine Parade der noch vorhandenen Unzulänglichkeiten. Es bleibt nicht mehr viel Zeit, letztere auszubügeln. Dennoch: Summa summarum bleibt mehr Hoffnung als Resignation.

200907205 FCK vs Eintracht Ffm 005 by MMSDoch das spannende Ereignis des Tages sollte nicht das Spiel bleiben. Der Bälle waren genug gewechselt, so wollten wir endlich Taten sehen. Und die kamen. Die Tatsache, dass wir unmöglichen Fans ja besser keinen Alkohol zu uns nehmen sollten … wahrscheinlich damit es unseren Lebern am nächsten Tag nicht ganz so schlecht gehen würde … war nur eine Begleiterscheinung. Der Anschauungsunterricht im Unterrichtsfach “Wie man Fans so richtig davon überzeugt, dass Fußball Spaß macht” begann bereits beim Versuch, von der Westkurve unter die Nordtribüne zu gelangen. An sich eine Übung, die nun nicht per se von vornherein ein Scheitern postuliert. Nicht so am 25. Juli 2009. Auf der Treppe war Schluss. Nun, natürlich sind wir ja ein Trupp Leute, die sich gerne bei FCK-Spielen herumschlagen … aber ausschließlich mit unserer Schmike! Das allerdings war der jungen “Dame” an der Absperrung nicht nur schwer, sondern überhaupt nicht beizubringen. Nun: Das nennt man also Sicherheitskonzept! Na ja, die Lautrer Gastronomie konnte sich freuen, dass wir das Geld, das wir für einen Imbiss nach dem Spiel gerne auszugeben bereit waren, nicht auf dem Betzenberg sondern woanders in den angeschlagenen Wirtschaftskreislauf gebracht haben.

Mal ehrlich: Es ist uns durchaus bewusst, dass ein Risikospiel auch besondere Sicherheitsmaßnahmen erfordert. Der gemeine Rot-Weiß-tragende Fan allerdings fühlt sich dennoch etwas gegängelt, wenn er (oder sie) noch nicht mal mehr zu seiner (oder ihrer) Lieblingsbratwurst oder -pizza durchgelassen wird … und darüber hinaus noch nicht einmal eine halbwegs vernunftbegabte Begründung für die Gängelung serviert bekommt. Kleiner Tipp an das verantwortliche Management: Wir fühlten uns, als seien wir nicht willkommen!

Doch wer nun vermutet, die Frustrationsgrenze sei erreicht gewesen, der (oder die) irrt. Im festen Willen an Nahrungsmittel zu kommen und die bereits erwähnte monetäre Gegenleistung dann eben anderswo in Kaiserslautern an die Gastronomie zu bringen, folgten wir dem Irrglauben, dass es von Deutschlands höchstem Fußballberg ein verhältnismäßig kurzer Weg in Richtung Innenstadt sein müsste. Weit gefehlt. Über die Treppe zum Busparkplatz genötigt, dann durch die Vegetation der Lautrer Hintergärten führte unser Exodus zur Hoffnung, den Hauptbahnhof erreicht zu haben … um auch hier erneut 50 Meter vor dem Ziel grandios an den grünfarbigen Sicherheitkräften unserer Republik zu scheitern. Wie gesagt: Wir schlagen uns ja quasi jedes Spiel … mit unserem Outfit herum!

Hier treffen nun wieder zwei Überzeugungen aufeinander … na ja, eigentlich sind es mehrere. Da ist zunächst einmal die zweifelhafte Idee, dass mit einer simplen Trennung jedweder Fangruppen das Problem “Gewalt” grundsätzlich und per definitionem aus der Welt geschafft ist. Wo keine Gegner, da auch kein Krieg. In sich logisch … allerdings mag der geneigte Leser vermuten, dass eine “Wenn A und nicht B, dann C-Logik” zwar durchaus aristotelische Züge trägt, im konkreten Fall allerdings etwas kurz greift.

Zum zweiten wäre dann da die Frage der klassischen Kuschelsicherheit: “Lass uns drüber reden.” Nun, wir alle sind uns durchaus bewusst, dass diese Methode bei auch nur mäßig alkoholisieren Ewig-Gestrigen mit Tendenz zum Borderline-Syndrom bereits bei dem Gedanken daran, die Lippen zu öffnen, um jenen berüchtigten Satz hervorzubringen, kläglichst zum Scheitern verurteilt ist.

Frage trotzdem am Rande: Wie wäre es damit, zumindest die Fans in Rot-Weiß darüber vorab zu informieren, welche Einschränkungen auf sie zukommen und bei der Gelegenheit gleich noch die eingesetzten Polizisten und Polizistinnen z.B. über den aktuellen Bahnfahrplan. Von den anwesenden fünfeinhalb tausend Fans waren bestimmt zwanzigtausend gewaltbereit und hätten sich wahrscheinlich einfach nicht gefreut, wenn man ihnen mitgeteilt hätte, wann sie ihren Zug erreichen würden. Ganz abgesehen davon war das ältere Pärchen, das dann plötzlich nicht den gewohnten Weg über “Am Betzenberg” nehmen konnte, zweifelsfrei nur darauf aus, sich am Kreisel zu kloppen. *) Liebe Leut! Wir waren ja froh, dass die beiden überhaupt auf eigenen Füßen aus dem Stadion kamen. Und was war mit dem netten jungen Paar, das eigentlich nur in Kaiserslautern wohnt und mit Fußball überhaupt nichts anzufangen wusste? Ja, DieMuddie war auch überrascht, aber so Leute gibt’s tatsächlich!

Gehen wir aber nochmal wohlwollend an die ganze Sache heran. Eines ist richtig (womit wir bei der dritten Meinung wären): Es ist ein Armutszeugnis für die deutsche Gesellschaft und ihre Jugendpolitik, dass es offenbar in jeder nennenswerten Fußballstadt eine Gruppe Jugendlicher und nicht mehr ganz so Jugendlicher gibt, die unter Sportveranstaltungen (insbesondere dem Fußball) hauptsächlich eine Chance verstehen, ihre übersprühenden Hormone durch gewalttätige Betätigung unter Kontrolle zu bekommen … und das zum Teil auch geplant.

200907205 FCK vs Eintracht Ffm 006 by MMSEs stellt sich aber insbesondere hier die Frage, inwieweit der fragwürdige Versuch einer Verhinderungstaktik tatsächlich nachhaltig Erfolg bringen soll. Wie wäre es denn mit dem Prinzip des Vorbildcharakters? Wie wäre es mit etwas mehr Offenheit, wenn es darum geht, ausschließlich diejenigen, die wirklich einen Drang zum sinnlosen Köpfeeinschlagen verspüren, zu drangsalieren, ohne dabei diejenigen, die gesellschaftlichen Grundanstand be- und ergriffen haben, völlig und gänzlich vor den Kopf zu stoßen? Ein Verhalten nämlich, das genau letzters tut, trägt nicht unbedingt dazu bei, Ansehen von und Vertrauen in die Sicherheitskräfte unseres Landes zu fördern … vorsichtig ausgedrückt.

Irgendwelche sinnvollen Lösungsansätze?

Ein Gutes hatte die Bewachung dann übrigens doch: DieMuddie ist der Meinung, dass ein großer Teil der “Wachmänner” ausreichend hübsch waren, dass sich ein intensiver Blick gelohnt hat … einige hätten sogar Model-Qualitäten … schleck!

200907205 FCK vs Eintracht Ffm 007 by MMSNun, genug zum Thema “Fußballfans sind keine Verbrecher” und hin zum dritten und letzten Teil der Queer-Devils-Geburtstagsparty. Nachdem wir es nach Abzug der Frankfurter endlich geschafft hatten, dorthin zu gelangen, wo wir hin wollten, nämlich zum Bowling-Center, trafen wir uns dort mit einigen Jungs und Mädels von der “Alten Garde”, die uns nicht nur zum Geburtstag gratulieren, sondern auch ordentlich mit uns Bowlen wollten … und: Geil war’s! Und am Ende war’s dann doch ganz schön spät, als wir endlich und schweren Herzens entschieden hatten, jetzt doch langsam mal in Richtung heimisches Bettchen zu diffundieren. Scharch! (mms)

*) Vorsicht, Sarkasmus!

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