Auswärtsspiel gegen Hansa Rostock und Ausflug an die Ostsee

2. Mai 2009 | eingestellt von mms

(1. Mai 2009)

Rumms – Rumms – Yippieh – Rumms – Rumms – Rumms!

20090501 HRO vs FCK A001 by MMSFrühes Aufstehen war angesagt! Und DieMuddie bittet den 1. FCK recht höflich, zur Kenntnis zu nehmen, dass er nicht für jeden Verein b(e)reit wäre, um halb sechs den Federn zu entsteigen. Nun, Donnerstag fiel die Generalrestauration etwas dürftiger aus, dafür konnten drei Queer Devils nach langer Fahrt und diversen Staus (insbesondere im Osten der Republik, sic!) pünktliches Erscheinen in Warnemünde vermelden und somit ihr Feriendomizil, ein nettes kleines Häuschen neben dem Friedhof, ohne vorherige Übernachtung unter einer der vielen Brücken in temporären Besitz nehmen. Und die freundliche Dame von der Fereienhausvermietung konnte sogar Gernots pfälzer Humor parieren. Chapeau! Unterwegs hielten uns Fleischbällchen, Dampfnudeln und Grillspieße bei Laune und Seele und Körper zusammen. Damit ist der Donnerstag knapp und bündig beschrieben.20090501 HRO vs FCK A002 by MMS

20090501 157 -- Hansa vs FCK by MMSEs kam der 1. Mai! Noch sichtlich gut gelaunt trieb es uns nach ausführlichem Frühstück an die See … und davon haben die da im Norden eine Menge! Nach Frühstücksbier am Kai und einem kurzen Spaziergang durch die Fressbuden, nach allgemeinem Staunen über einen russischen Großsegler und einem dänischen Softeis ging es wieder in’s Häuschen: Farbe kam in’s Gesicht! Hätten wir gewusst, was uns erwartet, wäre vielleicht der Satz “Trauer soll Elektra tragen” Leitfaden unserer Farbgebung gewesen. So aber erstrahlten wir nach zwei Stunden in heimatlichem Rot-Weiß!

Gesegnet durch die Errungenschaften moderner Navigation waren wir schnell am Stadion, wo wir zunächst mal von zwei Rostocker Fans angelabert wurden, deren Alkoholgehalt mit dem einer Flasche Rum vergleichbar war. Jungs, dass man Euch in dem Zustand nicht ins Stadion gelassen hat, verwundert nun wirklich niemanden! Doch mit der Ankunft von Michael, der uns aus Berlin kommend unterstützte, konnten wir uns der äquimolaren Ethanol-Luft-Mischung entziehen, um uns in Richtung unserer Sitzplätze zu begeben. Kein leichtes Unterfangen, lauerten doch rechts und links des Weges vorwiegend hämische Blicke mit den dazugehörigen Hansa-Fans, die aus Ihrer Ablehnung keinen Hehl zu machen gedachten. Wir sind viel gewohnt und haben ein dickes Fell … aber das stand der bisher in Rostock erlebten Gastfreundschaft diametral entgegen. Schämt Euch!

20090501 221 -- Hansa vs FCK by MMSAuf der Tribüne wurde es dann etwas besser. Immerhin waren noch weitere Lautrer dort, unter anderem einer, der seit fast 20 Jahren einen Zeitungsartikel in seinem Geldbeutel trägt, auf dem u. a. unser Cheffe mit Haaren zu sehen ist. Long time no see … gell, Matze? Auch die mitgereisten Lautrer Fans erkannten uns und so kam es zu spontanen Freundschaftsbekundungen zwischen Rot-Weißen inmitten Blau-Weißer.

Der Tag war toll, die Sonne schien (fast ein bisschen zu heftig), die Stimmung war trotz allem ausreichend positiv … kurz: das Spiel konnte beginnen! Was es dann auch tat. Und wie! Dynamisch, temporeich und zunächst einmal hochspannend! Doch dann …

Rumms – Rumms!

Es muss nicht viel erzählt werden, es ist ja alles schon bekannt. Wenn zum Ende der ersten Halbzeit, beim Stand von 2:0, durchaus noch berechtigte Hoffnung schwelte, dass dieses Spiel zu drehen sei … (“ich will gar nicht wissen, was für einen Einlauf Sasic denen gerade verpasst”) … wenn der Fanblock die gesamte Pause hindruch bewies, wer den Weltmeistertitel der Fankultur inne hat (die Lautrer haben die Pause durchgesungen), wenn es zu Beginn der zweiten Halbzeit dank Martin Amedick ein zaghaftes

20090501 272 -- Hansa vs FCK by MMSYippiieeehhhhhhhh!

gab, das die Hoffnung auf einen Ausgleich wieder aufleben lies, so wurde all dies kurz danach zu kleinen Fetzen gerissen.

Rumms – Rumms – Rumms!

Am Ende mussten wir mit ansehen, wie sich wütende Lautrer Fans von überheblichen Hansa-Fans weiter gereizt zu Handgreiflichkeiten hinreißen ließen, wie die LaOla-Welle durch den Rostocker Teil des Stadions wogte, wie Hooligan-Rufe und schwulenfeindliche Sprüche (in den Hinterwäldern der mecklenburgischen Pampa ist das offensichtlich noch salonfähig, schämt Euch gerade nochmal) durch die Arena schallten, wie die Rostocker sich brüsteten, ein ausverkauftes Stadion zu haben (*gacker* bei 27.000 Zuschauern ist der Betzenberg mal gerade halb gefüllt, *rotfl*) und wie in Trauer und Verwzeiflung die laute und bunte Lautrer Ecke verstummte.

20090501 294 -- Hansa vs FCK by MMSDoch selbst zuletzt erstrahlten im Lichte der untergehenden Sonne noch dutzende hochgehaltene Schals in Rot-Weiß, wissend, dass zwar nichts mehr zu holen, aber zumindest ein Beweis noch zu führen ist: Lauter können auch in der Niederlage noch stolz hinter ihrer Mannschaft stehen.

Und egal wie schlimm das Ergebnis nun scheint, egal welche der Tore regulär waren und welche nicht: Rostock war kein zweites Koblenz! Auch wenn die Roten Teufel an der Ostsee keinen guten Fußball gespielt haben (weit davon entfernt): Der Kampfeswille war ungebrochen, die Moral war da. Notabene! Und genau das ist es, was diese Mannschaft, die nach wie vor zum besten Drittel der zweiten Liga gehört, von derjenigen unterscheidet, die Rekdal zurückgelassen hat: Statt verschrecktes Kicken wird wenigstens alles versucht! Und genau deshalb, Jungs, sind uns seinerzeit die Rufe im Hals stecken geblieben und genau deshalb stehen wir auch in der schlimmsten Niederlage heute noch hinter Euch! Abputzen, Weitermachen … Danke!

Und nur für die Statistik: In dieser Saison steht es zwischen dem 1. FCK und den Koggenfischern 7:5 – nur so zur Info! Hatte ich schon was zur Stadiongröße gesagt?

20090501 302 -- Hansa vs FCK by MMSEine kleine Geschichte mag am Rande noch illustrieren, warum wir die Rostocker nicht leiden können: Über uns stand ein kleiner Junge (vielleicht acht oder zehn Lenze auf dem Buckel), der in der Pause unentwegt “Scheiß Kaiserslautern” skandierte. Was seine großen Kollegen später im Großen unter Beweis stellen sollten, hat der Kleine offenbar schon völlig verinnerlicht: Hass und Verachtung für den Gast. Hat man der Jugend denn noch nicht beigebracht, dass es die Freude am eigenen Sieg ist, die das Glück des Fußball bedeutet, dass es nicht das Heruntermachen des Gegners, sondern das Anfeuern der eigenen Elf ist, das zu Begeisterung führt? So war nämlich unser Eindruck: Man hat sich weniger darüber gefreut, drei Punkte zuhause zu behalten: man hat sich darüber gefreut, dass Lautern verloren hat. Nun, wenn man keine Freunde hat, dann denkt man vielleicht so. Wenn man selbst aus dem Olymp der ersten Liga gerade noch herabgestiegen darum bangen muss, demnächst in der 3. Liga zu kicken, freut es einen wohl eher, wenn die Anderen nicht aufsteigen: bitte sehr! Vielleicht werden wir auch dann nächstes Jahr nicht nach Rostock reisen, wenn unserem Verein der Aufstieg verwehrt bleiben sollte … es sei denn, die “kleinen Teufel” steigen doch noch auf … iss doch woahr!20090501 358 -- Hansa vs FCK by MMS

So schloss das Spiel damit, dass der Lauter Fanblock erst gegen zehn nach Hause aufbrechen konnte, wohl, weil die Polizei erst dafür sorgen musste, dass auf dem Weg keine Steine auf die Busse geworfen werden. So blieb auch unserem Thorsten nichts anderes übrig, als im Block auszuharren, bis die schlimmsten Gefahren beseitigt waren und Krawall und wilde Beschimpfungen am Bus mitanzusehen. Ob das sein muss? Das mag jeder für sich selbst beantworten. Wenn mehr als zwei Hirnzellen übrig sind, die nicht mit der Erhaltung der lebenserhaltenden Funktionen beschäftigt sind, besteht vielleicht noch Hoffnung!

20090501 370 -- Hansa vs FCK by MMSMichael wieder nach Berlin verabschiedet oder auch tw. nicht (war schön, Dich mal wieder gesehen zu haben, sorry, dass wir so in Hektik waren und Du Dich nicht von allen hast verabschieden können) und Thorsten schmerzlich vermissend (selbst wir hätten ihn da nicht herausholen können), machten wir uns nach frustriertem Abschminken auf den Weg, wenigstens kulinarisch noch etwas vom Abend zu haben und beschlossen den selben mit einem exzellenten Abendessen direkt am Strand von Warnemünde. Selbst DieMuddie konnte sich nicht zurückhalten, dem Koch ein Lob für das Rumpstek auszusprechen … und das tut er sonst höchst selten!

Einwurf: Gerade erreicht DieMuddie die Nachricht, dass Sasic nicht mehr Trainer des 1. FCK ist. Dies wird an anderer Stelle zu kommentieren sein.

20090501 HRO vs FCK A003 by MMSDass DieMuddie den nächsten Morgen damit versaut hat, erst mal die Bilder vom Spiel durchzuscrollen sei nur am Rande erwäht. Er lernt’s halt nie. Sonst waren wir – etwas verkatert – der festen Hoffnung, wenigstens aus unserem Nicht-Fußball-Freizeit-Aufenthalt an der Küste etwas zu machen und es verschlug uns bei strahlendem Himmel zuerst nach Bad Doberan (auf der Suche nach Salz und Spüli, gell Gernot), dann nach Heiligendamm, wo wir uns den Freuden einer Fahrt mit dem Molli, Deutschlands ältester Kleinbahn, hingaben. Der Molli ist nicht nur ein historischer Dampfzug, was schon reichen würde, nein, er fährt auch noch auf der äußerst seltenen Spurweite von 900 mm. Ja, das ist etwas besonderes! So rauchte, dampfte und fauchte es bis nach Bad Kühlungsborn, wo wir einen schönen Spaziergang durch Stadt und Hafenpromenade genießen konnten, um nach einem deliziösen Mittagessen unter freiem Himmel dann erneut unter Dampf den Heimweg anzutreten.

20090501 HRO vs FCK A004 by MMSDer Abend war dem Strand, der sinkenden Sonne und einer ziemlich zutraulichen Möwe vorbehalten. Auch Rossi schaute auf dem Weg zum Bus noch kurz vorbei und wir ließen einfach nur Seele und Gedanken baumeln, bevor wir nach gemeinsamem Abendessen (jetzt hatten wir ja Salz und konnten unsere Spaghetti kochen) und der Sportschau in erschöpften Schlaf fielen. Denn am nächsten Tag warteten viele lange und nervtötende Kilometer auf dem Weg zurück in die Pfalz, respektive Nordbaden.

Tout compte fait: Schä war’s! Ein Sieg hätte uns glücklicher gemacht, aber auch so: die Ostsee ist eine Reise wert! Wenn da nicht Hansa wäre … (mms)

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